Medienspiegel

Die Opferverliebtheit des Feminismus

Prof. Dr. Gerhard Amendt

Die Opferverliebtheit des Feminismus
oder: die Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit
Die Zukunft der Männer jenseits der Selbstinstrumentalisierung für Frauen

„Im Anschluss an die 68er-Bewegung und die Ausbreitung radikaler Varianten des Feminismus hat sich ein wenig schmeichelhaftes Bild von zeitgenössischer Männlichkeit ausgebreitet. Männer abzuwerten ist zur misandrischen Alltagsroutine in Presse, Wissenschaft und Pädagogik geworden. Viele suchen die Ursachen für diesen schlechten Ruf in Politikvarianten des Verdammungsfeminismus (Amendt 2004), obwohl es diesen als soziale Bewegung seit geraumer Zeit so lebendig gar nicht mehr gibt. Allenfalls äußern sich noch einige persönliche Exemplare, die nicht müde werden, Männer abzuwerten, und dabei mehr von ihrer persönlichen Abneigung gegenüber Männern mitteilen als von der Art, wie Männer wirklich sind und wie sie sich in Beziehungen verhalten.

Andere Feministinnen wiederum suchen die Gründe in dem, was sie selbst veröffentlicht haben. So haben schon im Sommer 2001 Ikonen der modernen Frauenbewegung, der misandrischen Männerbeschimpfung müde, ihre eigenen Positionen zum Geschlechterdiskurs neu formuliert. Es waren Revisionen, die sie vollzogen. So sagt die Friedenspreisträgerin Doris Lessing, dass sie »zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern ist, denn die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer niedermachen, ohne das irgendjemand was dagegen tut«. Die Abwertung des Männlichen sei »so sehr Teil unserer Kultur geworden […], dass sie kaum noch wahrgenommen wird«. Und letztlich erklärt sie die »Emanzenkultur für denkfaul und heimtückisch« (Lessing 2001).

Am weitesten ging die Revision der französischen Philosophin Julia Kristeva. In der Internetausgabe der New York Times vom 14. Juli 2001 sprach sie sich gegen das Konzept von Multikulturalität aus, nach dem die Identität des Einzelnen von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ausgehe. So hatte der Multikulturalismus erklärt, dass Gesellschaften durch Gruppenidentitäten von Männern und Frauen, Schwarzen und Weißen, Homosexuellen und Heterosexuellen, Türken und Deutschen etc. bestimmt würden. Kristeva machte rückwirkend geltend, dass solche Zuordnungen allenfalls mit archaischen Stammeszugehörigkeiten zu vergleichen seien, dass das aber gerade kein Indiz für Demokratie und Menschenrechte sei. Obwohl sie diese Position lange selber gefördert hatte, meinte sie, dass »die Gruppenidentität, die von einigen Feministinnen, Schwulen und ethnischen Führern als Steigbügel für ihre nachdrückliche Rechtfertigung genutzt werde, unzeitgemäß und totalitär sei. Die Freiheit des Individuums« – eben unbesehen, ob schwarz oder weiß, männlich oder weiblich etc. – »gehe dem Communitarismus voraus und die politische Betonung von sexuellen, ethnischen und religiösen Identitäten zersetze die Demokratie« (Kristeva 2001). Folglich ist auch Politik, die Identität aus dem Gegensatz von Mann und Frau herleitet, letztlich demokratiefeindlich und totalitär, wie das der Feminismus in staatlichen Bürokratien hinlänglich demonstriert.

Durchaus in diesem Sinne ist die gängige Diskriminierung von Männern das Ergebnis multikultureller Gruppenidentifizierung. So zählt eben nicht mehr der einzelne Mann in seiner Individualität, sondern nur seine Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht (Hormonausstattung, Penis, DNS, Hirnstruktur etc.). Aus dieser Zugehörigkeit zu einer Gruppe wurden zahlreiche Vorurteile über Männer abgeleitet. Ein typisches ist: »Der Mann auf der Straße ist ein potentieller Misshandler […] von Frauen« (Kavemann/Lohstöter 1984, S. 10). Es ist die Gruppenzugehörigkeit, die ihn dazu macht, nicht, was er tut oder unterlässt. »Die individuellen Besonderheiten des prügelnden Ehemannes treten hinter seiner Zugehörigkeit zum herrschenden Geschlecht zurück« (Honig 1986, S. 45). Er wird nicht als »Herr Müller« oder »Herr Meier« beurteilt, weil ihm Eigenschaften als Angehöriger einer Gruppe zugeschrieben werden. Diese seien naturhaft und trotz Kultur für Veränderungen nicht erreichbar. Daraus leiteten Autorinnen männliche Herrschaftsphantasmagorien und implizite Ohnmachtzustände über Vagina oder weibliche Hormonausstattung, DNS etc. ab.

Anders formuliert: Wenn ein Roma Zigaretten stiehlt, sind alle Roma Diebe, und wenn ein Jude Bankier ist, dann sind alle Juden Bankiers. »Das heißt für die Frau, die Männer ihres sozialen Umfelds mit anderen Augen zu sehen, immer misstrauisch und wachsam zu sein« (Kavemann/Lohstöter 1984, 10).

Der Aufruf, die Geschlechterbeziehungen nach Vorurteilen wahrzunehmen, gleicht im Prinzip der Dynamik, mit der zur Feindschaft gegenüber Fremden oder zum Antisemitismus aufgerufen wird. Mit der Mobilisierung der Gruppensozialpsychologie werden Vorurteil sowie rassistische oder geschlechtsspezifische Diskriminierung gefördert.

Bei Honig (1986) können wir, wie bei der Mehrheit der Männer, eine typische Verleugnung mütterlicher Gewalttätigkeit beobachten. Sie zeigt sich daran, dass Honig von Männern/Eltern(!) als potenziellen Schlägern/Vergewaltigern und brutalen Repräsentanten des Patriarchats/der elterlichen Gewalt spricht. Er wagt es nicht, die Mutter als Tätliche beim Namen zu nennen. Verschroben äußert er deshalb, dass es nicht nur eine patriarchale, sondern auch eine elterliche Gewalt gibt. Worin der Unterschied besteht, erklärt er nicht.

Damit wird verständlich, warum feministische Gruppen, Feministinnen in Regierungsbürokratien und vor allem Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern aus ihrer Gruppenzugehörigkeit Feindseligkeit gegenüber Männern zum tragenden Element ihres Arbeitsalltages machen und Hass und Verachtung als angemessene Antwort auf den Gruppenfeind erleben. Dabei verläuft Psychodynamik nach dem bekannten Modell: wir, die guten Frauen innerhalb der Gruppe, und draußen die bösen Männer der Feindesgruppe.

In den Anfängen der 68er- und Frauenbewegung hatte dieser Gegensatz von Freund und Feind etwas spielerisch Vorwurfsvolles und vor allem den Anschein des Vorübergehenden. Immerhin verflüssigten sich althergebrachte Rollenverständnisse, und solche Neubestimmungen gehen zeitweise recht ruppig über die Bühne. Allerdings verwandelte sich das Spielerische über die Jahre nicht in eine versöhnende Verständigung über neue Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Mit dem Aufkommen diverser Feminismusvarianten geschah das Gegenteil. Das Spielerische verfestigte sich immer mehr zur heute herrschenden Ideologie von Frauen als den guten Opfern und Männern als den bösen Tätern.“ (…)

http://dschindschin.blogspot.com/2011/07/die-opferverliebtheit-des-feminismus.html

und, gleichsam als Frage, die im obigen Text beantwortet wird:

Von der Sehnsucht der Feministinnen, endlich wieder ein schwaches Weibchen zu sein

Anmerkung von G. Amendt hierzu:
…… meine These von der Opferverliebtheit der Feministen beschreibt den Weg und die innere Motivation dazu!
„Hier deutet sich etwas Rückwärtsgewandtes, d.h. psychisch Regressives, unter Feministinnen an. Nämlich die heimliche Erwartung, dass Männer doch weiterhin stark sein mögen, dass sie aber ihre Stärke nur zum Wohl und nach den Wünschen der Frauen einsetzen. Damit diese nicht enttäuscht werden, und vor allem, damit sie für die Erfüllung ihrer Wünsche nicht selber einstehen oder gar kämpfen müssen. Der Wunsch, dass Männer die allmächtigen Besorger sein mögen, ist als Subtext in allen feministischen Schriften enthalten. “ Gruß Gerhard Amendt
 
Vollständiger Text: