FreitagsbriefMedienspiegel

„Vorbote einer neuen Friedensdämmerung“

Israel schließt „Abraham-Abkommen“ mit Emiraten und Bahrain

„Gestern unterzeichneten der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Emirate-Außenminister Abdullah bin Sajid und der bahrainische Außenminister Abdullatif al-Sajani im Garten des Weißen Hauses in Washington und im Beisein des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mehrere Abkommen, von denen eines symbolträchtig nach Abraham, dem Patriarchen der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, benannt wurde. Die in englischer, arabischer und hebräischer Sprache unterzeichneten Dokumente sehen eine „volle Normalisierung“ der Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain auf der einen und Israel auf der anderen Seite vor.“ (…)

https://www.heise.de/tp/features/Vorbote-einer-neuen-Friedensdaemmerung-4902922.html

Kommentar GB:

Ich sehe keinerlei Grund für eine besondere Begeisterung. Warum?

Im besten Fall wird sich daraus m. E. eine kühle Normalisierung über einen längeren Zeitraum entwickeln, so ähnlich, wie das zwischen Israel und Ägypten sowie Jordanien der Fall ist.

Im Kern handelt es sich derzeit um ein von den USA gewolltes und geführtes Bündnis der USA und Israel mit den wichtigsten sunnitisch-islamischen Staaten; dieses Bündnis ist geopolitisch gegen den schiitisch-islamischen Iran – mit Syrien – gerichtet, denn die schiitisch-islamischen Staaten bzw. Organisationen sind ihrerseits taktische Bündnispartner von Rußland und – im Hintergrund – von China.

Sollte der Iran seine militärische Nuklearpolitik weiterverfolgen, oder so, oder auch in anderer Weise bedrohlich für Israel werden, dann könnte sich der noch kalte Konflikt schnellstens in einen heißen Konflikt verwandeln, denn einem Erstschlag des Irans gegen Israel werden die USA und Israel sicherlich zuvorkommen wollen. Israel wird keine Wahl haben, weil es dann um seine Existenz gehen wird: die vorliegenden Absichtserklärungen des iranischen Mullah-Regimes sind absolut ernst zu nehmen.

Dieses Risiko dürfte ein sehr hohes sein.

Zugleich muß gesehen werden, daß und in welcher Weise die USA über die NATO, die EU und NGO´s im Vorfeld der russischen Westgrenze in Europa aktiv sind: die Politik des regime change war in der Ukraine bereits „erfolgreich“, in Weißrußland ist sie es bisher noch nicht, und in Rußland wird sie mutmaßlich ebenfalls betrieben, um Putin zu kippen. Der Fall Nawalny muß zwar nicht, könnte aber in diesem Zusammenhang stehen, sofern er in Rußland als Risiko eingeschätzt worden sein sollte; s.u. …

Daher bestehen aus Sicht von Moskau und Beijing zugleich mehrere  Fronten: die russische Westgrenze, der Nahe und Mittlere Osten (insbesondere bezüglich der Kontrolle des Persischen Golfs) sowie im Indischen Ozean und besonders im südchinesischen Meer. China wird also – bisher nur latent – vor allem durch ein Abschneiden seiner Seewege durch die Seemacht USA bedroht, insbesondere von Erdöllieferungen seitens des Iran. China hat also allen Grund, alternative Lieferquellen zu erschließen, und zwar dort auf dem eurasischen Kontinent, wo dieser von der Seemacht USA politisch nicht hinreichend kontrolliert wird, und das verweist zurück auf Rußland, Zentralasien und den Iran. Unter diesen  geostrategischen Rahmenbedingungen wird das ökonomische Projekt der „Neuen Seidenstraße“,  also der Landweg nach Westen, vorangetrieben.

https://www.heise.de/tp/features/Drei-Gruende-gegen-einen-versuchten-Giftmord-Nawalnys-4902476.html