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Wer die dunklen Seiten des Korans verdrängt, tut den Muslimen keinen Gefallen

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Die im Namen des Islams begangene Gewalt sei ein einziges grosses Missverständnis, behauptet der Islamwissenschafter Mouhanad Khorchide in seinem neuen Buch. Eine solche Lesart setzt sich kühn über den Text des Korans und historische Fakten hinweg.

Abdel-Hakim Ourghi

https://www.nzz.ch/feuilleton/koran-islam-debatte-die-dunklen-seiten-nicht-verdraengen-ld.1574168

Kommentar Hartmut Krauss:

Dass selbst Ourghi den subjektivistisch (nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip) konstruierten Self-made-Islam von Khorchide als unhaltbare geschichtsklitternde „Schönheitschirurgie“ ablehnt, spricht Bände.

Allerdings ist das sich in Koran und Sunna spiegelnde und auf absolute Herrschaft abzielende Islam-Projekt nicht durch Ambiguität/Doppeldeutigkeit gekennzeichnet, sondern enthält auf der Grundlage des Dschihad-Konzepts zwei verhaltenstaktische Varianten in Abhängigkeit vom jeweils konkret vorliegenden Kräfteverhältnis gegenüber den ‚Ungläubigen‘:

So „folgt das Dschihad-Konzept der paradigmatischen Vita des Propheten Mohammed: In Mekka stand Mohammed mit seiner kleinen Anhängerschar einer übermächtigen Ablehnungsfront gegenüber. Entsprechend tragen die dort (610-622) offenbarten Koranverse einen vornehmlich defensiven bzw. quietistischen Charakter. Von Kriegsführung und Gewaltanwendung ist angesichts der gegebenen Kräfteverhältnisse noch keine Rede. Nach der Übersiedlung nach Medina und der dortigen Gründung eines islamischen Gemeinwesens ändert sich der Verkündungsinhalt radikal, d. h. er wird den neuen Möglichkeiten der kriegerisch-räuberischen Selbstbehauptung gegenüber einer widerständigen Umwelt angepasst. Aus der Position der errungenen Stärke wird nun ein friedlicher Ausgleich mit den Ungläubigen ausgeschlossen: „Und tötet sie (d. h. die heidnischen Gegner), wo (immer) ihr sie zu fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben! Der Versuch (Gläubige zum Abfall vom Islam) zu verführen ist schlimmer als Töten.“ (Koran 2, 191) Das Konzept des ‚Djihad‘, ist jetzt nicht mehr begrenzt auf ‚Überzeugungstätigkeit‘ mit friedlichen Mitteln, sondern wird mit militärischer Gewaltanwendung assoziiert und gewinnt so den Charakter des ‚heiligen Krieges‘. Im Gegensatz zu den mekkanischen ist in den medinesischen Versen, so Dashti (1997, S. 149), „der poetisch und wohlklingende Ton verstummt, nunmehr werden in einem herrischen Befehlston Vorschriften und Verfügungen angeordnet. In Medina wurden Gesetze mit der Autorität eines Befehlshabers erlassen, der keine Verstöße oder Übertretungen dulden konnte. Die Strafen für Gesetzesbrüche oder Unachtsamkeiten waren äußerst hart.“.

Da die islamische Offenbarung die Muslime unumstößlich dazu verpflichtet, die Allah gehörende Erde zu islamisieren, geht deshalb niemals von ihnen selbst eine kriegerische oder aggressive Handlung aus (da sie doch nur den göttlichen Auftrag erfüllen!). Vielmehr sind es grundsätzlich die Nichtmuslime, die aggressiv und kriegerisch handeln, indem sie die von Allah befohlene Islamisierung der Welt verhindern wollen und sich den göttlich verpflichteten Muslimen widersetzen. In dieser Sichtweise ist der ‚Djihad‘ nichts weiter als die geheiligte Rückeroberung von Gebieten, die den wahren Gläubigen gehören und von Nichtmuslimen widerrechtlich besetzt sind.“

http://www.gam-online.de/text-Der%20Islam%20als%20religi%C3%B6se%20Herrschaftsideologie.html

Hinzu kommt die durch das Abrogationsprinzip „gesicherte“ Dominanz des medinesischen gegenüber dem mekkanischen Verhaltensprinzip.