Acta diurna am 12. Oktober 2020

Michael Klonovsky

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„Keinesfalls fehlen darf in diesem Reigen ein alter Bekannter, der womöglich am idealtypischsten den seltenen und kostbaren Übermenschenschlag der Menschheitsknuddler verkörpert.

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José Manuel Barroso, ehemals Ministerpräsident Portugals (PSD) und zehn Jahre lang Präsident der Europäischen Kommission. Davor war er Parteiführer der maoistischen PCTP-MRPP, danach wurde er Berater und „Präsident ohne Geschäftsbereich“ bei Goldman Sachs. Und nun führt ihn die Menschheitsliebe wie ein Leitstrahl zur Vaccine-Lobby. Vom Maoisten zu Goldman Sachs! Der Mensch wächst mit seinen Idealen. Und sieht er nicht aus wie der zweieiige Zwilling des Fischerjockels, der eine ähnliche Karriere in XS hinlegte? Wer sich über die zugegeben bizarre Allianz aus globalem Kapital und internationalistischer Linker wundert, sollte sich solche Karrieren vor Augen führen; sie vereinen beide Ingredienzien in jeweils einer Person, und womöglich werden sie erst in der Vereinigung richtig scharf, ungefähr so wie Nitroglyzerin.“ – (Hervorhebung GB)
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„Warum die Banken und Großkonzerne wie Google et al. die Globalisierung fördern, braucht nicht weiter erläutert werden. Warum die Linken es tun, ist ebenfalls klar und mit Schlagworten wie Diversity, Weltoffenheit, bunte Gesellschaft, one world in angemessener Schlichtheit beschrieben. Die einen werden materiell, die anderen vor allem ideologisch (und über umverteilte Steuern auch ein bisschen materiell) befriedigt. Ein gewissen Missverhältnis lässt sich bei den Einkünften und Gewinnen freilich nicht übersehen. Was bringt die Linken dazu, ausgerechnet bei einigen der reichsten Menschen der Welt auf ihre Enteignungsforderungen zu verzichten? Es ist deren Wohlverhalten gegenüber anderen linken Forderungen bzw. deren Sponsoring linker Projekte. Es liegt heute überhaupt kein Widerspruch mehr darin, Milliardär zu sein und eine linke Unternehmskultur durchzusetzen, den eigenen Laden zu diversifizieren, zu multikulturalisieren und durchzugendern, die Mitarbeiter zu einer „klimaneutralen“ Lebensart zu animieren, sie bis aufs Klo und in den Mailverkehr zu kontrollieren, politisch korrekte Sprachregelungen durchzusetzen, im Namen der Belegschaft gegen „rechts“ und die Nationalstaaten zu kämpfen etc. Parallel dazu finanzieren sie, wie gesagt, linke NGOs, geben Universitäten und Stiftungen Geld, die den Geboten des Zeitgeistes besonders eifrig dienen usw. Das sind die Brosamen, die den Linken hingeworfen werden, damit sie im quid pro quo die Verbuntung und Dehomogenisierung der Bevölkerungen vorantreiben, ohne wie ihre Vorfahren gleich die Banken verstaatlichen und den Kapitalismus abschaffen zu wollen. (In gewisser Weise sind die Banken ja schon verstaatlicht oder umgekehrt bzw. kreuzweise.)

Im Streben, alles beiseitezuräumen, was einer one world des freien Flusses von Waren, Kapital, Informationen und Menschen im Wege steht, treffen sich die beiden globalistischen Fraktionen. Die aktuellen Hebel heißen Klimarettung und Corona. Es steckt also durchaus Plausibilität in dem Gedanken, dass die Coronakrise benutzt wird, den Mittelstand, überhaupt die Mittelschicht auszudünnen. Das sind ja Widerstandsnester im Kleinen, gallische Dörfer gegen die Homogenisierung und Monotonisierung des Planeten, wie die Nationalstaaten und Völker im Mittelgroßen. Wie weit ein privatheitsauflösender, alle Individualität abschleifender Staatskapitalismus gehen kann, sehen wir in China. Freiheit, Mitbestimmung, Abwehrrechte gegen den Staat: Das sind Begriffe von gestern. Was bin ich traurig, dass ich diesen grauen Tod der Gesellschaft in generalüberwachter Buntheit nicht mehr erleben darf.“  (…)

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