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Ein Weltbild bröckelt – die Linke und der Islamismus

Nach den Morden in Frankreich wird diskutiert, ob Teile der Linken den Islamismus verharmlosten.

Die Frage ist jedoch nicht, ob sie das tun, sondern warum.

Lucien Scherrer, Anna Schneider 10 Kommentare

https://www.nzz.ch/feuilleton/die-linke-und-der-islamismus-ld.1584248?reduced=true

Kommentar Hartmut Krauss:

Ein in großen Teilen bemerkenswert einsichtiger Artikel:

https://www.nzz.ch/feuilleton/die-linke-und-der-islamismus-ld.1584248

Ein Weltbild bröckelt – die Linke und der Islamismus

Nach den Morden in Frankreich wird darüber diskutiert, ob Teile der Linken den Islamismus verharmlosten. Die Frage ist jedoch nicht, ob sie das tun, sondern, warum.

Auf Seiten der sogenannten Linken „war der Drang zur Verharmlosung und Verdrängung in den letzten Jahren derart gross, dass sich längst auch progressive Muslime, Juden, Homosexuelle, Feministinnen oder freidenkerische Linke zunehmend fragten, was da eigentlich mit dieser ehemals religionskritischen, emanzipatorischen Bewegung los ist.

Nach dem Mord an Samuel Paty warfen auch Vertreter der etablierten Parteien kritische Fragen auf. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Kevin Kühnert, attestierte seinen Genossen in einem «Spiegel»-Gastbeitrag massive Defizite im Umgang mit Islamismus. Diese Ideologie, so schrieb er, sei der «wohl blindeste Fleck der politischen Linken». Ihm schloss sich Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, an. Falsche Scham, so Bartsch, dürfe nicht länger zur Relativierung von islamistischen Taten führen.“

Dazu meine kurze  Anmerkung auf Facebook:

https://www.facebook.com/profile.php?id=100017572484031

„Sorry, aber das ist – gerade aus der Perspektive eines klassischen (stets auch religionskritischen) Linken und Islamkritikers – gelinde gesagt bestenfalls taktische Augenwischerei,  die schon aufgrund ihres extremen zu spät Kommens absolut unglaubwürdig ist. SPD, Grüne und Linkspartei haben in Deutschland seit zwei Jahrzehnten nicht nur das Thema Islam/Islamismus „vernachlässigt“, sondern fungierten zum einen als Komplizen der Etablierung verbandsislamischer Terraingewinne und zum anderen immer wieder als Pauschalverleumder von Islamkritik als „rassistisch“, „islamophob“, „rechtsextrem“ etc. An einer differenzierten herrschaftskritisch-emanzipatorischen Islamkritik waren sie nie interessiert, sondern fielen ihr ganz im Gegenteil mit ihrem postmodernen Revisionismus fortlaufend in den Rücken. Auf diese Weise trugen sie zum Aufstieg der ‚Rechtspopulisten‘ maßgeblich bei.“

Siehe dazu genauer u. a. die Ausführungen unter den folgenden Links, die zugleich zeigen, wie pseudoneu und stagnierend  die aktuelle Debattenlage verläuft :

https://frankfurter-erklaerung.de/2017/07/verkehrung-der-islam-und-migrationsdebatte-auf-der-rechts-links-achse/

https://www.heise.de/tp/features/Gut-gemeinte-Absicht-die-ihre-selbstkritische-Kontrolle-verliert-3503475.html

https://hintergrund-verlag.de/analyse-der-islamischen-herrschaftskultur/herrschaftskritisch-emanzipatorische-islamkritik-contra-antirassistische-verteidigung-einer-reaktionaeren-herrschaftskultur/

 

Kommentar GB:

Nicht der Islamismus, dessen Negativität ja offensichtlich ist wird verharmlost, sondern der Islam, der damit der nötigen Kritik entzogen wird: das ist der Grundfehler.

Eine Antwort auf die oben gestellte, sehr wichtige Frage findet sich hier:

„Der Sohn aus mittelständischem Hause machte sich die antikapitalistischen Gesinnungen der radikalen Linken zu eigen, die sich an den Schriften postkolonialer Intellektueller wie Frantz Fanon und Jean-Paul Sartre nährten und sich durch die amerikanische Vietnam-Politik, die atomare Aufrüstung, den Sechs-Tage-Krieg von 1967 und die anschließende Besiedlung der von Israel besetzten Gebiete bestärkt fühlten in ihrer Kampfansage gegen den „Imperialismus“ und ihrem Engagement für die Befreiungsbewegungen in Afrika und Asien. Das Mitgefühl für Unterdrückte fixierte sich besonders auf die Palästinenser und machte sich die Propaganda der arabischen Welt zu eigen, die Israel als unrechtmäßiges Überbleibsel der westlichen Kolonisierung verteufelte, als Instrument des angelsächsischen Imperialismus, als einen von jüdischen Millionären finanzierten, militaristischen, faschistischen und rassistischen Staat, der die Selbstbestimmung der arabischen Völker verhinderte.“

Das heißt: Der Islam wird in seinem So-Sein – in dem was der Islam real (auch historisch gesehen) ist – vollständig verkannt; er ist buchstäblich ein blinder Fleck im Bewußtsein der Linken; das heißt hier: der Alt-Linken (wie Corbyn) ebenso wie der postmodernen Pseudolinken. Bedingt durch diesen Defekt sind ihre sämtlichen Analysen nicht nur unvollständig, sondern inhaltlich falsch. Und deshalb bleibt ihr auch die (wünschenswerte und für alle hilfreiche) Einsicht in den eigenen Judenhaß verstellt, zu ihrem und unserem Schaden. So schreibt sich dieses Übel unbemerkt fort.

Siehe:

Corbyn hat nichts gelernt

und Literatur:

Bücher

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