Gehört der Islam zu Deutschland?

Das Gegenteil von gut gemeint

„Es ist jetzt zehn Jahre her, dass der damalige Bundespräsident Christian Wulff einen Satz sagte, der der Union noch heute um die Ohren fliegt: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Der Streit darüber dauert bis heute an, aber was hat er gebracht? Seyran Ates über eine Debatte, die sich im Kreis dreht.“ (…)

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Kommentar Hartmut Krauss:

Der Islam gehört zu Deutschland“ . . .

als ultrareaktionärer Problemgegenstand

„Der Islam gehört zu Deutschland.“ Dieser Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff hat aussagelogisch den gleichen Status wie der Satz „Die NPD, Castortransporte sowie Produzenten und Konsumenten von Kinderpornographie gehören zu Deutschland.“ Als deskriptive Urteile bzw. bloße Existenzbehauptungen sind beide Sätze zutreffend und unbestreitbar.

Im Falle des Satzes von Wulff wäre dann aber noch aufzuklären, wie der Islam nach Deutschland gekommen ist. Dazu gehörte insbesondere die Rekapitulation des Wirkens des Muftis von Jerusalem, Amin el-Husseini, an der Seite der Nazis1; die Rekonstruktion des Netzwerks zwischen Nazis, Geheimdiensten und Muslimbrüdern nach dem Zweiten Weltkrieg2 sowie das Anwerbeabkommen zwischen Westdeutschland und der Türkei, das auf Drängen der Türkei und mit nachhaltigem Druck seitens der NATO-Hauptmacht USA zustande kam3.

Als ehemalige Kernfigur der politischen Klasse in Deutschland, die relativ gleichförmig und einseitig globalkapitalistischen Geschäfts- und Exportinteressen und der damit korrespondierenden kulturrelativistischen Leitideologie folgt, gab Wulff, „guter Freund“ auch der Paten des repressiven AKP-Regimes und deren Abordnung in Deutschland4, seinem Satz eine präskriptive, positiv wertende Konnotation mit folgender Bedeutungsverschiebung: Der Islam ist als passförmiges kulturelles Zubehörteil willkommen in Deutschland.

In dieser latent präskriptiven Bedeutung ist der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ nun allerdings ein echter politischer Skandal. Denn er fälscht einen multiplen gesellschaftlichen Problemgegenstand in eine positive Erscheinung um und diktiert „von oben“ ohne nähere Sachaufklärung eine entsprechende positive Bewertung. Damit spaltet er das Land in eine herrschende Gruppe, die den Islam verharmlost, protegiert und mit seinen Protagonisten paktiert und in eine politisch-medial auf postdemokratische Weise beherrschte Mehrheit, die dem Islam kritisch gegenübersteht. (…)

http://www.gam-online.de/text-der%20islam%20geh%C3%B6rt.html