James Davison Hunter: Strategische Ansätze der kulturellen Erneuerung von Gesellschaften

„Der Soziologe James Davison Hunter lehrt an der University of Virginia in den USA. In seinem 2010 erschienenen Werk „To Change the World“ untersuchte er die Frage, wie es christlichen Akteuren gelingen könne, westliche Gesellschaften kulturell zu erneuern. Er ging dabei von der Erkenntnis aus, dass kultureller Wandel stets von Eliten ausgehe. Wer kulturelle Erneuerung anstrebe, müsse daher auf einer Gegenelite aufbauen, die in etablierte Eliten hineinwirke und sie von innen heraus verwandele. Die Masse hingegen sei unerheblich, was die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft angehe.1

Christen würden zu der Annahme neigen, dass kulturelle Veränderungsprozesse durch den Wandel individueller Überzeugungen angetrieben würden. Diese Annahme sei jedoch unzutreffend. Das Wesen von Kulturen und Gesellschaften werde nicht durch die Überzeugungen von Mehrheiten bestimmt, sondern durch Eliten. Kleine Gruppen von Menschen hätten immer wieder weit über ihren Bevölkerungsanteil hinaus kulturellen Einfluss entfaltet. Ein aktuelles Beispiel dafür sei die LGBT-Bewegung, der es innerhalb kurzer Zeit gelungen sei, aus einer Außenseiterrolle heraus prägenden Einfluss auf die wesentlichen Institutionen sowie auf die Gesetzgebung westlicher Gesellschaften zu gewinnen.“ (…)

James Davison Hunter: Strategische Ansätze der kulturellen Erneuerung von Gesellschaften