… und wieder sind sie die Opfer der Türkei: die Armenier …

Christian Müller / 23. Okt 2020 –

Ein neues Buch von Amalia van Gent über Armenien gibt dem hierzulande wenig bekannten Land ein Gesicht – unvorhergesehen aktuell.

„Armenien! Den Namen öfters gehört, aber kaum beachtet?“ (…)

Aufbruch am Ararat: Das neue Armenien.

Ein Buch, das man interessiert und mit Gewinn liest. Ein Land, das man anschliessend besser versteht und das einem auch aus der Ferne fast ein bisschen ans Herz wachsen kann.

Ein einziger, kleiner, in meinen Augen negativer Punkt: Die Autorin wurde, wie sie mir erklärte, von einer Verlagsmitarbeiterin überredet, das ganze Buch für uns «Leser:innen» zu schreiben: also mit dem Doppelpunkt in der Mitte vieler Wörter, um gendergerecht zu sein. Wenn dann allerdings die «Jungtürken» den «Bürger:innen» «Brüderlichkeit» in Aussicht stellen (Seiten 26/27) oder aus «reichen Armenier:innen» «Oligarchen» werden (S.154), oder wenn sich die «Osmanen, Perser und Araber» blutige Kämpfe liefern (S.23) und ein «armenischer Atheist» als «Widerspruch in sich selbst» empfunden wird (S.143), die «Armenier:innen» aber ärmer als ihre «Nachbar:innen» sind (S.160), dann ist man schon etwas irritiert. Die Jungtürken, die Osmanen, die Araber, die Oligarchen, die Atheisten, also alle «Bösen» nur in der männlichen Form? Nein, wer die fachlich äusserst kompetente und menschlich liebenswerte Amalia van Gent als journalistische Kollegin persönlich kennt, der geht eher davon aus, dass die sogenannt gendergerechte Schreibweise eben nicht aus ihrem Herz, sondern aus dem Schreibkasten der nicht eben konsequenten Lektor:in im Verlag stammt.

Man sollte das Buch trotzdem lesen!

https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Armenien-Buch-Amalia-van-Gent-Rezension