Uns droht die totale Überwachung

Israelischer Historiker zur Coronakrise

Der Historiker Yuval Noah Harari erklärt im Interview mit T-Online, dass der Menschheit die totale Überwachung droht. Schlimmstenfalls könnte die Weltordnung völlig kollabieren.

26.10.2020

https://www.freiewelt.net/nachricht/israelischer-historiker-zur-coronakrise-uns-droht-die-totale-ueberwachung-10082751/

Kommentar R.H. :

Was wir heute mit Corona feststellen, ist m. E. ein probates Versuchsfeld der weiteren Erosion der Demokratie (falls man davon überhaupt noch sprechen kann!) in Verbindung mit einer Prä-/Deformierung der Subjektivität als Voraussetzung zur Erreichung dieses Ziels (totale Überwachung). 
Das erinnert mich bedenklich an die Subjektzurichtung im dt. Faschismus:

IV. Massenwirksamkeit und dehumanisierende Potenz der faschistischen Ideologie

http://www.glasnost.de/autoren/krauss/fundam2.html

 

„Desweiteren vollziehen die Nazis eine diskursiv-propagandistische Verknüpfung von aktueller Realitäts- und Krisenerfahrung, sozialisatorisch wirksamer „prämoderner“ Subjektprägung und radikalisierter Herrschaftsideologie mit der Rassentheorie als Focus bz w. „Integrator“ des faschistischen Bedeutungssystems.

 

Eine weitere hervorzuhebende Syntheseleistung der Naziideologie ist die Verbindung von „prämodernem“ Irrationalismus, Pseudowissenschaftlichkeit, Streben nach technischer Perfektion und Bürokratismus. So reaktiviert und instrumentalisiert der rassistische Diskurs der Nazis die vielschichtigen Ängste „prämodern“-traditionalistisch sozialisierter Menschen vor den Herausforderungen, Verunsicherungen und „Zumutungen“ der kapitalistischen „Moderne“, indem er die daraus hervorgehenden negativen Affekte auf die jüdische Rasse als verantwortlicher „Erzverderber“ projiziert und damit „aktivistisch“ verarbeitbar macht.

Goldhagen kommt das Verdienst zu, in kritischer Abhebung von konventionellen Erklärungsansätzen zunächst einmal den Subjektstatus der Vollstrecker der Nazibarbarei klar und eindeutig benannt zu haben: „Die Verfechter der bekannten Erklärungen sehen die Täter weder als bewußt Handelnde noch als sittliche Wesen. Sie tun so, als sei die Unmenschlichkeit der Taten nur ein Nebenaspekt und nicht das eigentliche Problem“ (Goldhagen 1996, S.459). Desweiteren ist m.E. auch nicht ernsthaft zu bezweifeln, daß die überwiegende und ausschlaggebende Mehrheit der Deutschen sich mit Hitler und dem Nazi-Regime weitestgehend identifizierte, die propagierten innen- und außenpolitischen Ziele der Nazis unterstützte und von den grundlegenden Inhalten der Naziideologie, darin eingeschlossen das antisemitische Feindbild als wesentlicher Bestandteil, subjektiv überzeugt war28

 

28 In herkömmlichen („manipulationstheoretischen“) Erklärungsansätzen werden die in das nazistische Gesellschaftssystem eingebundenen Individuen als bloße Objekte von außen einwirkender Propaganda vorgestellt, d.h. als um ihre subjektive Sinnstruktur verk ürzte Wesen angesehen. Die Übernahme faschistischer Ideologie wird demgemäß nicht als selbstgesteuerter aktiver Aneigungprozeß, sondern als „Einimpfen nazistischer Lehren“, als Indoktrination oder als „Gehirnwäsche“ erfaßt.

In subjektwissenschaftlicher Perspektive gilt es demgegenüber vom „Standpunkt des inneren Beobachters“ die autonome Motiviertheit/“Eigensinnigkeit“ der vergesellschafteten Individuen zu berücksichtigen. Entsprechend ist deren Bewußtsein nicht als tabula rasa bzw. passive Projektionsfläche zu betrachten, sondern als selbstgesetzlich reguliertes, auswählendes und bewertendes „Verarbeitungssystem“. Nicht Propagandainhalte, Ideologeme, politische Losungen etc. „an sich“ konstituieren subjektiv wirksame Überzeugungen, sondern nur solche, die für das Subjekt in bestimmten (konflikthaltigen) Lebenssituationen eine vermeintlich widerspruchslösende Wertigkeit besitzen, dessen Erfahrungen und Hoffnungen sinnvoll verknüpfen und sich im gesellschaftlich-praktischen Lebensvollzug als Orientierungsmittel bewähren.“

(Vgl. hierzu ausführlich Krauss 1988.)

Auch: Faschismus und Fundamentalismus. 2003, S, 68 ff.