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Was ist Islam?

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„Immer wieder sehe ich in den sozialen Medien Behauptungen, wonach die Begriffe Islam, Scharia, Islamismus und politischer Islam genau dasselbe bedeuten würden. Dies tun nicht nur Nichtmuslime, sondern sogar Muslime selbst oder Ex-Muslime. Der Islam sei durch und durch politisch und deshalb sei es absurd, die anderen Begriffe vom Islam zu trennen. Diese Begründung ist zwar nicht falsch, doch will ich zumindest bestreiten, dass es sich bei diesen Begriffen um Synonyme handelt. Nachfolgend möchte ich, was die Bedeutung dieser Begriffe anbelangt, Klarheit schaffen und diese dabei auch kritisch hinterfragen. (…) „

https://de.richarddawkins.net/articles/was-ist-islam

mit Leserkommentar:

Dr. Günter Buchholz

Mit Bezug auf die Publikationen des Autors Hartmut Krauss ist folgendes hervorzuheben:

Standardfehler der Islambetrachtung:

Leugnung des Islam im Singular,

verdeckte Behauptung eines „unpolitischen Islam“ und

Verwirrung der Bezugsebenen „Islam“ und „Muslime“

Anmerkungen zum Text von Emrah Erken

Grundsätzlich falsch ist die Leugnung der Existenz des Islam im Singular, wie er als objektiv vorliegendes Bedeutungssystem in Gestalt des Korans (als verbalinspirativer Text), der Hadithsammlung, der modellsetzenden Prophetenbiographie sowie den Festlegungen der sunnitischen und schiitischen Rechtschulen vorliegt. Der grundlegende Fehler besteht hier zum einen insbesondere darin, nicht zwischen diesem objektiv vorliegenden Islam und den subjektiven Einstellungen von Muslimen zu unterscheiden und zum anderen darin, diese Einstellungen nicht genauer im Hinblick auf ihre Inhalte sowie ihre Größenverhältnisse (Anteilsrelationen zwischen orthodoxen, „radikalen“ und “moderaten“ Muslimen) in Bezug auf die objektiven islamischen Bedeutungsvorgaben zu reflektieren.

Zur Kritik der These „Den Islam gibt es nicht“

siehe:

„Den Islam gibt es nicht“. Doch! Zur Kritik eines stereotypen Abwehrdogmas

http://www.gam-online.de/text-den%20Islam%20gibt.html

Zur Verwechselung der Bezugsebenen „Islam“ und „Muslime“

siehe:

https://hintergrund-verlag.de/analyse-der-islamischen-herrschaftskultur/islamdebatte-in-deutschland-zur-anatomie-einer-komplexen-diskursverwirrung/

http://www.glasnost.de/autoren/krauss/studie.html

http://www.gam-online.de/text-islam%20und%20muslime.html

https://www.atheisten-info.at/downloads/IslamimKopf.pdf

Zum „Unbegriff“ „politischer Islam“ Folgendes:

„Das herausragende Statusmerkmal des Islam ist dessen Auftreten als autoritär-normativer Vorschriftenkatalog, der Regeln, Gebote, Verbote, Handlungsanweisungen für nahezu sämtliche Lebensbereiche bereithält, denen der muslimische Gläubige als treu ergebener Gottesknecht bedingungslos zu folgen hat. Die alltagspraktische Befolgung des islamischen Regelkanons ist der wahre Gottesdienst und bildet den grundlegenden Kern des gesamten Islam = Hingabe an Gott. Aus diesem Grund ist auch eine Trennung von Staat, Religion, Recht und Privatsphäre grundsätzlich ausgeschlossen. Religiöse Praxis ist zugleich immer auch politische Praxis (und umgekehrt); religiöse Gemeinschaft ist zugleich immer auch politische Gemeinschaft. „Das Staatsvolk ist Gottesvolk, das religiöse Gesetz (shari’a) Staatsgesetz“ (Hagemann 1999, S. 402).

Da der Islam religiöses Glaubenssystem, gesellschaftliche Ordnungslehre, Alltagsethik, Sozialisations- und Erziehungsgrundlage in einem ist, ist er per se „politisch“, d. h. auf die umfassende soziale Regelung zwischenmenschlicher Beziehungen ausgerichtet. Die Rede vom „politischen Islam“ ist deshalb verfehlt, da sie die Existenz eines objektiv vorliegenden „unpolitischen Islam“ suggeriert“ bzw. implizit unterstellt.

http://www.gam-online.de/text-Der%20Islam%20als%20religi%C3%B6se%20Herrschaftsideologie.html

In der gleichen Stoßrichtung argumentiert auch Tilmann Nagel:

„Der Islamismus hat mit dem Islam nichts zu tun“ – Eine westliche Illusion.

In: TUMULT Frühjahr 2020, S. 51ff.

Zum „Islamismus“:

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die „Abteilung militanter/bewaffneter Djihad“ im Rahmen des dogmatisch vorgeschriebenen Strebens nach islamischer Weltherrschaft und Bezwingung der „Ungläubigen“ (einschließlich der Vernichtung von deren „unreiner“ Kultur) als historisch konstanter, fester und wesentlicher Funktionsbestandteil der islamischen Herrschaftskultur fungiert.

Der gegenwärtige „Islamismus“ „repräsentiert demnach keine „Verfälschung“ oder „wesenswidrige Instrumentalisierung“ des Islam, sondern jene konsequente Innovationsgestalt der islamischen Herrschaftskultur, die durch den Herausforderungsrahmen, wie er von der westlichen Moderne objektiv gestellt wurde und wird, „hindurchgegangen“ ist. Nur in dieser radikalisierten Form vermag die islamische Herrschaftskultur als Typus prämodern-religiöser Herrschaft mit absolutem Geltungsanspruch zu überleben. Die eigene, obwohl objektiv rückständig gebliebene Kultur, wird irreal idealisiert und zur Selbstbehauptung gegenüber der überlegenen Fremdkultur mobilisiert. Dabei bildet die Koppelung des individuellen Selbstwertgefühls an die „Demütigung“ der rückständigen Herkunftskultur – im Sinne der kulturspezifischen „Ehrenmoral“ – die emotionale Quelle der regressiven Widerspruchsverarbeitung.“ (Krauss 2008, S. 133f.)

Und Nagel (a.a.O.) stellt klar: Nach schariatischer Lehre „darf der Kampf des (islamischen, G.B.) Gemeinwesens um die Ausweitung seiner Herrschaft niemals erlahmen, wenn die Machthaber ihre Legitimität bewahren wollen. Der Dschihad wird dementsprechend als eine Glaubenspflicht verstanden, die stets von einer hinreichend großen Zahl von Menschen wahrzunehmen ist. Da es im Islam keine zentrale Lehrautorität gibt, die festzustellen befugt wäre, ob dies tatsächlich geschieht, dürfen Muslime, die eine mangelnde Dschihad-Bereitschaft diagnostizieren, auf eigene Faust aktiv werden. Die Scharia empfiehlt dies ausdrücklich, zumal, wenn man bemerke, dass die bestehende islamische Herrschaft gefährdet sei. Der Dschihad wird in einem solchen Fall eine jedem Muslim obliegend Pflicht.“ (Hervorhebungen: GB)

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