Bitte nicht noch ein Großer Sprung!

Gastautor / 04.12.2020 /

Von Karl Walter

„Aufgewachsen in der DDR, mit innerlichem Abstand zwar, aber nicht völlig unbeeinflusst von Ideologie und Partei, blieb da stets auch ein ebensolcher (notgedrungen) gedanklicher Abstand zur marktwirtschaftlichen Ordnung der Bundesrepublik. Es war somit nur folgerichtig, dass ich starke Sympathien für die 1989 propagierte Idee von einer „besseren DDR“ hatte. Erst Jahre später habe ich wirklich begriffen, dass der sogenannte „dritte Weg“ des demokratischen Sozialismus eine Schimäre ist. Inzwischen sehe ich vieles klarer und bin bestürzt, wie lange ich für diese Einsicht gebraucht habe. Entschuldigend lässt sich höchstens vorbringen, dass mir kaum Gedanken begegnet sind, die diesen Prozess hätten beschleunigen können.

Und selbst jetzt, wo ich glaube zu wissen, in welche Richtung die Auseinandersetzung gehen sollte, sehe ich bei bewusster Suche solche Hinweise nicht. Allein deshalb schreibe ich dies, in der Hoffnung, dem einen oder anderen Leser auf seinem Weg zur Einsicht einen nützlichen Tipp zu geben. Das Folgende ist kein Aufsatz mit akademischem Anspruch. Die Darstellung folgt eher dem Weg meiner persönlichen Erkenntnis. Ich erwarte nicht, dass meine Schlussfolgerungen als völlig neu oder in allen Details korrekt akzeptiert werden – dazu fehlt mir als interessiertem Laien das tiefere Wissen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die angesprochenen Punkte viel stärker berücksichtigt werden sollten.

Trotz all der schrecklichen Katastrophen, in denen die verschiedensten Versuche, neue Gesellschaften planmäßig aufzubauen, geendet sind, haben Vorstellungen von demokratischem Sozialismus, einer gerechten Weltordnung oder einem ökologischen Systemumbau für viele Menschen nichts von ihrer gefährlichen Anziehungskraft verloren. Offenbar werden grundlegende Zusammenhänge – bewusst oder unbewusst – übersehen. Doch die Welt richtet sich nicht nach Ideologien oder Konstruktionszeichnungen. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen, die niemand dauerhaft ignorieren kann. Ich bin überzeugt, dass es solche Grundregeln gibt. Welche das sein könnten und einige der ableitbaren Konsequenzen, versuche ich hier zu erklären.

Dabei verwende ich das Wort Welt, um die gesamte uns umgebende Realität zu benennen, und schreibe für sehr große Zahlen umgangssprachlich unendlich, auch wenn das, streng genommen, nicht korrekt ist.“ (…)

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