Die Illusion vom wissenschaftlichen Konsens

02.12.2020

Von Christian Lévêque

Die Vorstellung, dass man auf „die Wissenschaft“ hören muss, weil sie rational und damit Garant der „Wahrheit“ sei, ist weit verbreitet. Aber so funktioniert wissenschaftliche Forschung nicht.

https://www.novo-argumente.com/artikel/die_illusion_vom_wissenschaftlichen_konsens

sowie ergänzend

https://www.novo-argumente.com/artikel/der_wissenschaft_folgen_wohin_1_2

Kommentar GB:

Irren ist menschlich. Was können wir wissen? Und wie?

Hier leigt ein gut lesbarer, sehr wichtiger und aufklärerischer Artikel vor, der ganz besonders allen Interessierten, die nicht selbst Wissenschaftler sind, sehr dringend zur Lektüre zu empfehlen ist, damit sie die Bedeutung der Skepsis und den Wert des Zweifels erkennen. Wissenschaft verfügt zwar über sehr erhebliche Erkenntnisbestände, die als hinreichend gesichert und bewährt gelten dürfen, aber an ihrer Forschungsfront ist Wissenschaft nichts anderes als eine methodische Erkenntnisgewinnung. Es bleiben zumeist offene Fragen, Ungewißheiten und zusätzliche neue Fragen bestehen. Vorläufige Ergebnisse und Hypothesen müssen daher gründlich und wiederholt und von anderen überprüft werden. Das ist der Weg zu einer hinreichend gesicherten vorläufigen intersubjektiven Erkenntnis, die sich dann praktisch bewähren kann – aber nicht muß.

Irren ist und bleibt menschlich, auch im Wissenschaftsprozeß. Es kommt darauf an, hiermit methodisch und kommunikativ ( ! ) angemessen umzugehen. Und das heißt: mit der sokratischen Einsicht in unsere Unwissenheit zu beginnen, um dann geleitet von der Vernunft Fragen zu stellen: so beginnt das Denken.

Der größte Feind hierbei ist der Irrationalismus, der meint, „Wahrheit“, oder „Gewißheit“ lägen bereits vor, oder sie seien greifbar, und die sich deshalb einbilden, es gäbe etwas zu „leugnen“. Schon die Wortwahl ordnet Sprecher hier dem Irrationalismus zu, denn „leugnen“ kann man logisch nur, was andere „glauben“. Und Glauben ist eben die Gestalt des Irrationalismus.

Seine Attraktivität gewinnt er nicht zuletzt daraus, daß die Widersprüche und  Ungewißheiten der Forschungsfronten (oder, allgemeiner: des menschlichen Lebens) emotional nicht ertragen werden, was unbestimmte Angst (nicht aber: bestimmte Furcht) auslöst.

Und diese Ich-Schwäche bewirkt die regressive Flucht in den – eine bloß scheinbare Sicherheit gewährenden – Irrationalismus.