Michel Houellebecq: Das Zeitalter der Auflösung und die Rückkehr der Religion

Michel Houellebecq gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller und Kulturkritiker der Gegenwart. Die jetzt in deutscher Übersetzung erschienene Aufsatzsammlung mit dem Titel „Ein bisschen schlechter“ gewährt einen Eindruck in sein politisches und religiöses Denken. Die westliche Welt befinde sich ihm zufolge in einem Zeitalter der Auflösung. Das heraufziehende Chaos werde zu einem Wiedererwachen der Religion führen. Der Islam sei gegenwärtig die vitalste Religion in Europa. Ihm stehe ein schwacher Katholizismus gegenüber, an dessen traditionsorientierten Rändern es jedoch ebenfalls Anzeichen für ein religiöses Erwachen gebe.1

Michel Houellebecq: Das Zeitalter der Auflösung und die Rückkehr der Religion

 

Kommentar GB:

Frage AU: Warum nicht die Aufklärung und die Moderne?

Antwort GB: Das war auch mein erster Gedanke, aber ich habe das erst einmal nicht kommentiert.
Die eine Idee könnte lauten: dem islamischen Irrationalismus müsse ein christlicher Irrationalismus gleicher Stärke und Intensität entgegengestellt werden.
Die andere Idee ergibt sich aus der offenkundigen und berechtigten Verzweiflung des Autors über die faktische Gestalt der Aufklärung heute, nämlich als Werte-Nihilismus. Der hat dem Islam tatsächlich nichts entgegenzusetzen. Die Philosophie der Aufklärung hingegen schon. Aber dazu müßte sie erneuert und praktisch werden, und dazu eben den Werte-Nihilismus überwinden.