Nahost-Experte Michael Lüders über Dschihadisten

„Deradikalisierung und Überwachung reichen nicht aus“

Der Nahost-Experte Michael Lüders hält eine zentrale Steuerung der Terroranschläge von Wien und Paris „für eher unwahrscheinlich“. Der sogenannte Islamische Staat reklamiere die Gewalttaten Einzelner im Anschluss für sich, sagte er im Dlf. Die Politik müsse die Ursachen des Terrors stärker beleuchten.

10.11.2020   –   Michael Lüders im Gespräch mit Dirk Müller

https://www.deutschlandfunk.de/nahost-experte-michael-lueders-ueber-dschihadisten.694.de.html?dram:article_id=487283

R. I. zu Michael Lüders:

Michael Lüders (* 1959 in Bremen) ist ein deutscher Politik- und Islamwissenschaftler, der als Publizist sowie Politik- und Wirtschaftsberater tätig ist.

Michael Lüders studierte zwei Semester arabische Literatur an der Universität Damaskus sowie Publizistik, Islam- und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Er wurde mit einer Arbeit über das ägyptische Kino zum Dr. phil. promoviert.

DEUTSCH-ARABISCHE GESELLSCHAFT e.V.
Calvinstr. 23
D 10557 Berlin

Tel.: +49-30-8094 1992
Fax: +49-30-8094 1996

E-Mail: info[at]d-a-g[.]de
Internet: http://www.d-a-g.de

Registrierung: Vereinsregister beim Registergericht Berlin – Charlottenburg unter Nr. 24174 Nz
Präsident: Dr. Michael Lüders, Publizist, Wirtschaftsberater und Nahostexperte
Generalsekretär: Ministerialrat a.D. Harald Moritz Bock

außerdem, schon etwas älter:

http://henryk-broder.com/hmb.php/blog/article/1503

Kommentar GB:

Deradikalisierung und Überwachung reichen tatsächlich nicht aus. Die einzige Maßnahme, die verläßlich und nachhaltig wirksam wäre, wäre der Export der importierten Djihadisten, also ihre Rückführung. Warum die nicht vollzogen wird, das eben ist die kritische politische Frage. Sie wäre vom Wähler mit dem nötigen Nachdruck an die Politik zu richten.

Die basale Motivationslage ist bei Muslimen durch ihre koranische Programmierung (Sozialisation) vorgegeben, und dieses internalisierte Programm wird situativ aktualisiert, was bedeutet, daß es einer Organisation und Kommandostruktur im okzidentalen Sinne gar nicht bedarf. Deshalb kann der IS mit vollem Recht auch im Nachhinein djihadistische Anschläge für sich verbuchen, und er kann sich dabei auf den Koran berufen. Diese allgemeine Motivationslage von Muslimen, die sich im Feindgebiet aufhalten, also außerhalb von „Islamistan“, wird hierzulande praktisch nie verstanden, am wenigsten wohl von Ermittlern, die bis hinein in ihre Denkweise kulturell okzidental geprägt sind.

Aber diese okzidentale, rationalistische Denkweise ist eben keine, die in der Lage wäre, die koranisch-muslimische Denkweise bzw. Motivationslage auch nur ansatzweise zu erfassen, und daher geht sie regelmäßig fehl. Aus der Perspektive der koranischen Programmierung sind die Anschläge nicht nur folgerichtig, sondern ausgesprochen lobenswert. Aber um das zu verstehen, muß man allererst die koranische Perspektive einnehmen.

Literatur, neben dem Koran, dem Quellcode der muslimischen Programmierung, siehe:

Der Übermuslim

Erklärung