Acta diurna: Über das islamische Kopftuch und seine Bedeutung

Michael Klonovsky – 30. Dezember 2020

(…) „Bleiben wir bei der keineswegs stattfindenden, aber wünschenswerten Islamisierung:

Zunächst einmal könnte man meinen, das hänge vom Stadtteil ab. Man hört von Gegenden, wo eher Frauen ohne Kopftuch … – na, geschenkt. Ich läse auch gern eine Statistik, wie viele Kopftuchträgerinnen vergangenes Jahr in ’schland vergewaltigt wurden – ich meine, von Fremden (auch gruppenweise auftretenden) –, und wie viele Mädels ohne die sturmfeste Haube den unerwünschten Liebesdienst seitens ihnen bis dato nicht bekannter ethnisch Unähnlicher über sich ergehen lassen mussten. Nur so aus Wissbegier und grenzenloser Hetzlust.

Aber warum „doppelt Angst“? Ziehen wir einen Orientkenner zu Rate.

„‚Hchouma‘ (gesprochen ‚Schuma‘) ist das marokkanische Wort für Schande, Tabu, Scham. Es gilt vor allem der Sexualität, hauptsächlich der weiblichen“, schreibt Samuel Schirmbeck in seinem Buch „Gefährliche Toleranz. Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam“ (das im selben Schweizer Verlag erschienen ist wie das vorgestern hier ausführlich gewürdigte Heinsohn-Opus über die Ungleichverteilung der Klugen).

„Das Thema Sexualität anzugehen, ist hchouma“, zitiert der langjährige ARD-Algerienkorrespondent die marokkanische Autorin Soumaya Naamane Guessous. „Das Wort hchouma braucht nicht ausgesprochen zu werden, die hchouma diktiert, kontrolliert, steht hinter vielen Handlungen. Sie ist ein Kodex, dem man sich anpasst, ohne nachzudenken.“

Schirmbeck fährt fort: „Das Getöse um die Frau der muslimischen Welt hallt nun auch nach Deutschland. Was für ein Trommelfeuer zur Verteidigung des ‚Kopftuches‘. Dahinter steckt: Die Frau als Quelle der ‚Unzucht‘. Die Frau als Besitz, als ‚Saatfeld‘ des Mannes. (Sure 2:223). Die Frau als Gehorsame. Die Frau als Jungfrau. Die Frau als Hauptfrau. Die Frau als Nebenfrau. Die Frau als Gläubige. Die Frau als Ungläubige. Die Frau als Reine. Die Frau als Unreine. Die Frau als zu Verhüllende. (Für einige Gegenden der muslimischen Welt wäre noch hinzuzufügen: Die Frau als zu Steinigende.) Der muslimische Mann aber geht frank und frei seiner Wege, auch mit offenem Hemd, die verpackte Frau neben ihm.“

Soumaya Naamane Guessous: „Die Ehre des Mannes inkarniert sich im vor jeder Besudelung bewahrten Körper der Frau. Auf dieser Grundlage wird die weibliche Sexualität streng kontrolliert oder sogar erstickt, damit der Körper der Frau intakt gehalten wird bis zu dem Tag, an dem er seinem legitimen Eigentümer zukommt: dem Ehemann.“

Schirmbeck fährt fort: „Dieser Kontrolle dient das ‚Kopftuch‘ (wie Niqab und Burka). Dieser Kontrolle dient die deutsche Linke. (…) Man bringt dem jungen Mädchen bei, seine Genitalien ‚mehr zu hüten als seine Augen‘. Sie muss sich intakt halten, bis sie vollständig dem Ehemann gehört.“ – Die inzwischen zu Deutschland gehörende Scheidung auf afghanisch stellt die Ehre des Mannes und den Rechtsfrieden wieder her, und kein deutsches Recht kann daran etwas ändern. – „So hat mir eine Frau berichtet: ‚Meine Mutter hat mir erklärt, dass ich mich nie von einem Mann berühren lassen darf, denn mein Körper gehört nicht mir, er gehört demjenigen, der mich heiraten wird.‘ Aus dieser Einstellung erklären sich die ‚Ehrenmorde‘, über die als erste in Deutschland Necla Kelek berichtete, wofür sie von Linken als ‚Rassistin‘ beschimpft wurde. (…) ‚Das junge Mädchen lernt, dass sein Körper eine Quelle von Problemen ist, angefangen bei der Menstruation, die verborgen werden muss, bis zur Jungfräulichkeit, die um jeden Preis bewahrt werden muss.‘ Für alles das steht das ‚Kopftuch‘, das bestimmte Linke für ein ‚Stück Stoff‘ halten, um das man nicht so viel Aufhebens machen solle. Der Körper unrein, die Scham, eine Frau zu sein, das Minderwertigkeits- und Schuldgefühl, die Unterdrückung eigenen sexuellen ’sündigen‘ Begehrens, das eigene Geschlecht als Gebrauchsartikel des Mannes, die Membrane als Aushängeschild der Familienehre: Dieser unsägliche Sud aus Scham- und Schuldgefühl, all das wird von deutschen ‚Kopftuch‘-Feministinnen zur ‚Selbstbestimmung‘ muslimischer Frauen hochstilisiert.“

Eigentlich müsste ich hier schreiben: Keine weiteren Fragen, euer Ehren. Aber eine Bemerkungen noch unter uns Betschwestern: Kennt jemand eine deutsche Linke, Grüne oder protestantische Pfäffin, die nicht besser gesenkten Blicks und züchtig verschleiert herumliefe, der individuelle Schamgefühle durchaus stünden (die schamlosen kollektiven Schuldgefühle haben sie sich ja willig andressieren lassen), und die nicht als Eigentum eines frommen, erotisch anspruchsarmen und eminent fortpflanzungswilligen Bärtigen ihren idealen Platz hienieden fände?“ (…)