Die „Ehe für Alle“ als Symptom kultureller Auflösung

Peter Graf Kielmansegg
1. Februar 2018

„Peter Graf Kielmansegg lehrte Politikwissenschaft an der Universität Mannheim. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kritisiert er das Versagen der Parteien beim Schutz der kulturellen Grundlagen des Gemeinwesens im Zusammenhang mit der Einführung der sogenannten „Ehe für alle“. Ein demokratisches Gemeinwesen könne allerdings auch nicht gegen den Willen einer Bevölkerungsmehrheit aufrechterhalten werden, die dies nicht wünsche. Wer für die traditionelle europäische Lebensordnung eintrete, müsse dazu bereit sein, dies künftig auch ohne staatliche Anerkennung tun.

Die Entscheidung des Bundestages habe einen „kulturrevolutionären Akt“ sowie einen Bruch mit dem im Grundgesetz festgehaltenen Verständnis der kulturellen Grundlagen des Staates dargestellt:

Die Parteien hätten sich ohne Debatte und unter der Missachtung demokratischer Verfahren eines Ehe- und Familienbegriffes entledigt, der „als eine Selbstverständlichkeit tief und weit zurückreichend im europäischen Kulturkreis verwurzelt war.“ Man habe es hier mit einem „krassen Fall parlamentarischen Versagens“ zu tun.
Der Artikel 6 des Grundgesetzes sei Ausdruck eines gesellschaftlichen Willens zur Dauer und zur Kontinuität, und in ihm komme die „existentielle Angewiesenheit des Gemeinwesens auf eine gelingende Generationenfolge“ zum Ausdruck. „Ehe und Familie sind die elementarsten Bedingungen der Möglichkeit gelingender Generationenfolge“, „weil Kinder am besten in einem auf Dauer angelegten Miteinander von Vater und Mutter“ heranwachsen würden.
Im Verständnis der kulturrevolutionären Ideologien, der die Mehrheit der Abgeordneten des Bundestages gefolgt sei, spiele die Dauerhaftigkeit des Gemeinwesens und der Schutz seiner kulturellen Grundlagen keine Rolle. Dass diese Ideologien die von ihnen über diese Ziele gestellte individuelle Selbstverwirklichung auch auf Kosten des Gemeinwohls durchzusetzen bereit seien, käme nicht nur in der Abkehr vom traditionellen Begriff von Ehe und Familie, sondern auch im Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zum Ausdruck. Dieses mache „Kinder zu Objekten – in letzter Konsequenz zu käuflichen Objekten“.“ (…)

Peter Graf Kielmansegg: Die „Ehe für Alle“ als Symptom kultureller Auflösung