Irreführende Zahlen – Warum gibt es noch so viele Corona-Tote?

Hartmut Krauss

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Irreführende Zahlen – Warum gibt es noch so viele Corona-Tote?

 

Obwohl sich die Situation auf den Intensivstationen langsam aber sicher entspannt, meldet das RKI nach wie vor sehr hohe Todeszahlen.

Liegt dies an einem immer noch mangelhaften Schutz der Pflegeeinrichtungen oder läuft da möglicherweise etwas ganz anderes völlig schief?

(…) Fast 90 Prozent der Toten sind älter als 70

Obwohl nur rund 20 Prozent aller registrierten Corona-Infektionen in Deutschland den Über-70-Jährigen zugerechnet werden, stammen nahezu 90 Prozent der bisher fast 49.000 Todesfälle aus diesen Altersgruppen. Besonders betroffen sind die 80- bis 89-Jährigen, die laut RKI mit knapp 22.200 Toten fast die Hälfte der an oder mit Covid-19 gestorbenen Menschen stellen. Rund 10.800 Opfer waren älter als 90 Jahre, 9.200 zwischen 70 und 79 Jahre alt. (…)

Todeszahlen drei Wochen alt

Sterben also trotz sinkender Zahlen mehr alte Menschen, weil sie eine Intensivbehandlung ablehnen? Eher nicht. Eine Begründung für die anscheinend zu hohen Zahlen könnte vielmehr sein, dass sie nicht stimmen. Genauer gesagt, sie sind vermutlich schon drei Wochen alt und entsprechen nicht dem aktuellen Geschehen. Das hat jedenfalls eine Analyse der öffentlich zugänglichen Datenbank des RKI durch das Berliner Forschungsinstitut „IGES“ ergeben.

Demnach suggerierten die vom RKI gemeldeten Todeszahlen lediglich, dass sie aktuell seien. Tatsächlich blieben die Meldungen seit Mitte Dezember zunehmend hinter den Übermittlungen zurück, so das Institut. Dies liege unter anderem an den Ärzten im Krankenhaus, die wegen Überlastung nach einem Todesfall keinen RKI-Meldebogen ausfüllten, obwohl sie dazu gesetzlich verpflichtet wären. „Füllen Ärzte dann nur die Todesbescheinigung aus, die dann wiederum an das Standesamt weitergeleitet wird und von dort ans Gesundheitsamt, dauert das ein paar Tage“, sagte Institutsleiter Bertram Häussler der „Welt“.

Langwierige Zuordnung

Das größte Problem für die Gesundheitsämter sei dann, dass sie den Todesfall einem gemeldeten Verdachtsfall zuordnen müssten. „Erst wenn beides vorliegt, kann die verstorbene Person nach dem Infektionsschutzgesetz als Covid-Toter an das RKI übermittelt werden. Diese Zuordnung ist aufwendig und erfordert Zeit, die das Gesundheitsamt nicht hat“, so Häussler.

Der Institutschef sagt, die Politik habe „einen Mega-Lockdown auf Basis unbrauchbarer Zahlen“ beschlossen. Tatsächlich sei die Verschärfung nicht nötig gewesen, da die bestehenden Maßnahmen Wirkung zeigten. Der Rückgang der Intensivpatienten sei ein sicheres Zeichen dafür, „dass wir seit dem 4. Januar auch weniger Todesfälle haben, obwohl das im Moment nicht in den veröffentlichten Zahlen zu sehen ist. (…)