Aufklärung, linke Religionskritik und der Islam

Dr. Alexander Ulfig
Veröffentlicht 8. März 2021

„Die europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts ist in weiten Teilen religionskritisch. Viele ihrer Repräsentanten sind Atheisten und Gegner der Religion. Die Religionskritik der Aufklärung bildet eine Grundlage für die linke Religionskritik, die vor allem von Karl Marx formuliert wird. Marx zufolge ist die Religionskritik eine Voraussetzung aller Kritik. Die Religion als „verkehrtes Weltbewusstsein“ ist ein wesentlicher Ausdruck der „verkehrten Welt“ des Menschen. Religionskritik bedeutet für Marx nicht nur theoretisches Argumentieren, sondern in erster Linie einen aktiven politischen Kampf gegen die Religion und die gesellschaftlichen Verhältnisse, die sie hervorbringen. Seit Marx gehört die Religionskritik zum festen Bestandteil der linken Weltsicht und der linken politischen Praxis. Linkssein bedeutet religionskritisch und atheistisch sein. Die Bemühungen der Linken haben dazu geführt, dass Europa säkular und atheistisch geworden ist. Umso erstaunlicher ist es, dass die heutige Linke nicht nur Verständnis, sondern auch Solidarität mit dem Islam bekundet, also mit einer Religion, die wesentlich mehr als das (heutige) Christentum linken Vorstellungen, Idealen und Lebensformen widerspricht. Man kann sogar von einer Allianz zwischen der Linken und dem Islam sprechen. Diese Allianz stellt meines Erachtens eine der größten gesellschaftlich-politischen Paradoxien unserer Zeit dar.“ (…)

Aufklärung, linke Religionskritik und der Islam

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