Aufklärung, linke Religionskritik und der Islam

von Dr. Alexander Ulfig 08. März 2021

„Die europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts ist in weiten Teilen religionskritisch. Viele ihrer Repräsentanten sind Atheisten und Gegner der Religion. Die Religionskritik der Aufklärung bildet eine Grundlage für die linke Religionskritik, die vor allem von Karl Marx formuliert wird.

Marx zufolge ist die Religionskritik eine Voraussetzung aller Kritik.“ (…)

https://www.cuncti.net/gesellschaft/1199-aufklaerung-linke-religionskritik-und-der-islam

Kommentar GB:

Ein sehr zu empfehlender Beitrag, insbesondere für alle diejenigen, die zum Milieu der LINKEN, der Grünen und der SPD gehören. Exemplarisch wäre dabei an Herrn Klingbeil (SPD) zu denken, dessen Glanzleistungen im Hinblick auf den Genossen Thilo Sarrazin unvergessen bleiben; dessen Bücher können hingegen sehr empfohlen werden.

Nur fragt es sich, ob in Parteivorständen überhaupt noch Bücher gelesen werden.

Kommentar Hartmut Krauss:

Lieber  Herr Ulfig,

insgesamt ein gut lesbarer eingängiger Text, der die radikalen Gegensätze zwischen klassisch-linken und islamischen Grundpositionen klar und prägnant darlegt.

Aus meiner Sicht zerfällt die 68er Bewegung schon recht früh (ab ca. 1970) in folgende divergierenden Gruppierungen:

1. die gemäßigte Fraktion der „Jungsozialisten“;

2. die marxistische Fraktion, die sich primär der DKP bzw. SEW, zu kleineren Teilen den trotzkistischen  Fraktionen anschließt;

3. die maoistische „K“-Gruppen- Fraktion;

4. die politisch unorganisiert bleibende, ideologisch schillernde  „Woodstock-Fraktion“.

Die Grünen gehen dann aus 3. und 4. plus konservativen Umweltschützern hervor.

Wer keinen eigenständigen politisch-organisatorischen Ausdruck fand, war die theoretisch-intellektuelle Fraktion des „westlichen Marxismus“, die sich mehr an Reich („Freudomarxismus“), der frühen Frankfurter Schule, Gramsci, Lukács, Praxis-Gruppe, Kofler u.a. und später der Kritischen Psychologie orientierte.

Geht man – wie ich – von dem Tatbestand aus, dass SPD, Grüne und auch die „Linkspartei“ mehr oder weniger zu politisch-ideologischen Bestandteilen (Cheerleadergruppen) des postmodern-globalkapitalistischen Herrschaftssystems verkommen sind, so hat sich damit das politische Etikett „links“ eigentlich erledigt.

Das klassische Rechts-Links-Schema wird nunmehr von den postmodernen ideologischen Apparaten dazu benutzt, Verwirrung zu stiften und praktisch-kritische Widerstandsimpulse zu ersticken. Wer sich der neuen kapitalistischen Verbündungsstrategie mit nichtwestlich-despotischen Herrschaftsträgern und deren religiösen „Leitkulturen“ widersetzt und den wachsenden Migrationsimport zusätzlicher reaktionärer Denk- und Verhaltensweisen kritisiert, wird als „rassistisch“, „fremdenfeindlich“, „rechtslastig“, „islamophob“ etc. gebrandmarkt. Wer demgegenüber als willfähriger Handlanger und Schönredner eingewanderter Repressionskulturen und deren totalitären Ideologien fungiert, gilt – in moralischer Ausbeutung eines noch nachwirkenden naiv-unkritischen Internationalismusideologie – als „fortschrittlich“, „aufgeschlossen“ bzw. als „toleranter Gutmensch“. Damit hat sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der verbliebenen Linken von Marx’ kategorischem Imperativ verabschiedet, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Marx 1988. S. 385).

Mein Fazit von 2008 würde ich deshalb aus heutiger Sicht sogar noch unterstreichen:

„Angesichts dieses selbstzerstörerischen Verfalls der Linkskräfte ist eine neue Fortschrittsbewegung erforderlich, die auf der Basis einer Leitkultur des säkularen Humanismus und des Aufklärungsdenkens für eine herrschaftsfreie Vergesellschaftung eintritt und sich dabei ihrer multifrontalen Stellung bewusst ist. Denn eine humanistisch-aufklärerische Leitkultur ist heute einem konzentrischen Vernichtungsangriff aus entgegengesetzten Richtungen ausgesetzt. Marktradikale Neoliberale mit ihrer Vergötzung anarchisch-destruktiver Wirtschaftsmechanismen als „kreative Zerstörung“, Wiederbeschwörer konservativer Wertorientierungen mit ihrem Streben nach Reinstallierung einer entmündigenden Untertanen- und Gehorsamskultur, postmodernistische Zeitgeistmonteure mit ihrer fadenscheinigen Sabotage kritisch-wissenschaftlicher Denk- und Analysemethoden, religiöse Fundamentalisten mit ihrer neototalitären Verteufelung der menschlichen Emanzipation und eben auch poststalinistische Linke mit ihrer verbildeten, einfach-negatorischen und pseudofortschrittlichen Antihaltung im Sinne eines „entmodernisierten“ Radikalismus bilden eine Gemengelage geistig-moralischer Destruktivkräfte, die einer Neuaneignung sozial- und subjektemanzipatorischer Perspektiven auf jeweils spezifische Art entgegenstehen.“

Herrschaftskritisch-emanzipatorische Islamkritik contra „antirassistische“ Verteidigung einer reaktionären Herrschaftskultur