Politiker in Begründungsnöten: Politiker sind weniger vernünftig als Menschen aus der „Normal“-Bevölkerung [neue Studie]

von Dr. habil. Heike Diefenbach

(…) „Die Ergebnisse von Christensen und Moynihan sprechen dafür, den Zeitraum, über den hinweg Personen politische Ämter innehaben können, stark zu beschränken. Gerade dann, wenn der Anspruch auf evidenz-basierte Politik erhoben wird, wäre dies sachdienlich, weil sich gerade „erfahrene“ Politiker unter Begründungsdruck auf ihre politische Ideologie zurückziehen, statt sich an den objektiven Daten zu orientieren.“ (…) „Unabhängig hiervon haben Christensen und Moynihans gezeigt, dass Politiker keine „besseren“ bzw. vernünftigeren Einschätzungen in Sachfragen treffen als Personen aus der allgemeinen Bevölkerung. Und sie haben gezeigt, dass von den Einschätzungen von Politikern gerade dann nicht angenommen werden kann, dass sie vernünftig sind, wenn es um stark umstrittene Politiken geht, weil für stark umstrittene Politiken ein besonders hoher Begründungsdruck besteht, und Christensen und Moynihan haben ja eine Tendenz von Politikern beobachtet, gerade unter Begründungsdruck unvernünftige Einschätzungen zu propagieren bzw. sich in unvernünftige, ideologisch basierte, Entscheidungen zu flüchten.“ (…) „Weil dieser Effekt gemäß der Ergebnisse von Christensen und Moynihan in der allgemeinen Bevölkerung nicht zu beobachten ist, sondern umstrittene Politiken mit hohem Begründungsdruck in der allgemeinen Bevölkerung dazu führen, dass Einschätzungen eher aufgrund belastbarer Daten als aufgrund politischer Orientierungen bzw. Voreingenommenheiten erfolgen, muss man festhalten, dass das Urteilsvermögen in der allgemeinen Bevölkerung mit Bezug auf umstrittene Politiken insgesamt größer ist als dasjenige unter Politikern. Dies legt z.B. die Vermutung nahe, dass mit Bezug gerade auf stark umstrittene Politiken Volksentscheide zu vernünftigeren Ergebnissen führen würden als Entscheidungen, die von Politikern vorgenommen werden.“ (…)

Politiker in Begründungsnöten: Politiker sind weniger vernünftig als Menschen aus der „Normal“-Bevölkerung [neue Studie]