Wolfgang Thierse: Die Nation als Heimat in einer instabilen Welt

6. März 2021

„In einem heute veröffentlichten Gespräch setzt Wolfgang Thierse seinen Versuch fort, die deutsche Sozialdemokratie durch konservative Impulse zu erneuern und ihrer identiätspolitischen Radikalisierung entgegenzuwirken. Die Corona-Krise zeige erneut, dass die Nation eine unverzichtbare Solidargemeinschaft sei, die als „eine der Antworten auf das Bedürfnis nach Zuordnung und Beheimatung in einer sich dramatisch verändernden Welt“ nicht aufgegeben werden dürfe.

Es gehe ihm bei seinem neuen Engagement „um die Zukunft der politischen Kultur in diesem Lande und um die Zukunft der Volkspartei SPD“. Die Sozialdemokratie habe durch ihre Übernahme identitätspolitischer Ideologie nicht nur die Arbeiterschaft aufgegeben, sondern sich auch einer Bewegung angeschlossen, deren Absolutsetzung des eigenen Betroffenseins […] mörderisch für eine demokratische Gesprächskultur“ sei.
Als Führer der Kampagne, die nach seiner konservativen Kritik an identitätspolitischer Ideologie einsetze, benennt er LGBT-Aktivisten inner- und außerhalb seiner Partei, mit denen keine Diskussion mehr möglich scheine. Er habe sich in der Vergangenheit für diese Minderheit eingesetzt und sei enttäuscht vom intoleranten und irrationalen Verhalten ihrer Repräsentanten.“ (…)

(…) „Hans-Georg Maaßen hatte als eine seiner letzten Amtshandlungen als Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutzes vor einer identitätspolitischen Radikalisierung der Sozialdemokratie gewarnt. Diese Tendenz erfasst nicht nur bestimmte Parteien, sondern auch weite Teile der Medien und der Universitäten und hat vor allem unter jüngeren Universitätsabsolventen zahlreiche Anhänger. Die Anhänger dieser Tendenz lehnen nicht konservative Positionen nicht nur grundsätzlich ab, sondern auch das Recht ihrer Anhänger, diese öffentlich zu vertreten.“ (…)

 

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