„Realität Islam“

Hartmut Krauss  

21. Juli 2021

„Realität Islam“

Bei der Gruppe „Realität Islam“, die anlässlich des Todes von Kurt Westergaard mit einem Schmäh-Posting ihre widerliche ideologische Fratze zeigte, handelt es sich um eine Tarnorganisation, die nicht nur beobachtet, sondern verboten werden sollte.

Die in den sozialen Medien aktive Gruppe „Realität Islam“ setzt sich ein „Für die Bewahrung der islamischen Identität“. Gemeint ist damit nicht etwa ein gruppenspezifisch-singuläres, sondern ein für alle „streng gläubigen“ Muslime kennzeichnendes Überzeugungssystem ganz im Einklang mit den Inhalten und normativen Vorgaben der islamischen Quellen (Koran, Sunna, Scharia), die als absolut gültig bzw. unhinterfragbar von Allah befohlen angesehen werden.

Bei genauerer Betrachtung verbergen sich hinter dieser Gruppierung laut Verfassungsschutz Mitglieder und Anhänger der Hizb ut-Tahrir (arab.: Partei der Befreiung)1, gegen die bereits im Januar 2003 durch das Bundesministerium des Innern ein Betätigungsverbot verhängt wurde. 1953 in Palästina vom islamischen Geistlichen und Richter des Jerusalemer Scharia-Gerichts an-Nabhani (1909-1977) gegründet, fand Hizb ut-Tahrir (HuT) Anhänger im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien. Ihre spezifische Ausrichtung besteht nicht in der unmittelbaren Planung und Durchführung von Terroraktionen, sondern in der geistig-theoretischen Wegbereitung, Anfeuerung und Legitimierung islamisch „inspirierter“ Gewalthandlungen. Neben der Errichtung eines weltweiten Kalifats und der Einführung der Scharia verfolgt die Gruppierung eine ausgeprägt antisemitische Zielsetzung und propagiert die gewaltsame Auslöschung des Staates Israel. Zudem strebt sie die „Befreiung“ der muslimischen Gemeinschaft von sämtlichen westlichen Einflüssen an und ruft zum Kampf gegen die „Staaten des Unglaubens“ auf. Nach Aussage des Verfassungsschutzes strebt die „Partei der islamischen Befreiung“ ihre Ziele in drei Phasen an:

„In der ersten Phase sollen auf konspirativem Weg geeignete Mitglieder rekrutiert werden. In der zweiten Phase, in der sich die HuT nach eigenen Angaben derzeit befindet, soll mit Hilfe umfangreicher Propagandaarbeit die islamische ‚Erziehung der Umma’ erfolgen. In der dritten Phase schließlich soll ein Aufstand zur Machtübernahme ‚auf islamischem Boden’ und anschließend zum Sturz des gesamten ‚ungläubigen Gesellschaft’ führen“ (Verfassungsschutzbericht 2006, S. 234).

In Deutschland war die Gruppe insbesondere in Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg und Berlin aktiv. Auch die vom Muslimbruder und Terrorpiloten Mohammed Atta in Hamburg gegründete „Islam AG“ soll mehrfach Mitglieder von „Hizb ut-Tahrir“ zu Vorträgen empfangen haben. Tätigkeitsschwerpunkt war die Agitation in arabischen Moscheen und auf muslimischen Universitätsveranstaltungen. Haupttreffpunkt war über mehrere Jahre das Freitagsgebet an der Technischen Universität. In die Schlagzeilen geriet die Organisation, als auf ihrer Veranstaltung an der TU Berlin am 27. Oktober 2002 der Referent Shaker Assem (Mitherausgeber des Parteimagazins „Explizit“) die Errichtung eines neuen Kalifats forderte und den Islam als weltweite Waffe gegen die kapitalistische Globalisierung anpries und daraufhin der NPD-Vorsitzende Udo Voigt in Begleitung des neofaschistischen Anwalts Horst Mahler vor laufenden Fernsehkameras seine Übereinstimmung mit den Grundinhalten des Referats bekundete.

Da nach dem Verbot ein öffentliches Bekenntnis zur HuT nicht mehr möglich war, fand eine verschleierte Neuformierung in Form von Gruppierungen in den sozialen Netzwerken statt, wie insbesondere in Gestalt der Facebookgruppe „Realität Islam“ mit aktuell angeblich knapp 45.000 Abonnenten sowie der Gruppe „Generation Islam“ mit angeblich ca. 70.000 Abonnenten.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz teilte ZDFheute auf Anfrage mit, die beiden Accounts „transportieren ihre Vorstellungen vom Islam im Sinne der HuT-Ideologie als allumfassende politische, soziale und ökonomische Ordnung, welche die Anwendung von göttlichen Gesetzen als bindend vorsieht. ‚Generation Islam‘ propagiert offen ein islamisches Staatssystem (Kalifat) als Lösung für die angeblichen Probleme der Muslime weltweit“2.

Hierzu ist anzumerken, dass es sich hierbei nicht um eine „spezielle Ideologie“ handelt, wie von „Islamappeasern“ ebenso gern wie fälschlich behautet wird, sondern um eine für orthodox-dogmatische Muslime gängige Mainstreameinstellung. Insofern sollte man die Bezeichnung „Realität Islam“ durchaus ernst nehmen.

Für das Denken dieser durchaus relevanten Sorte von Muslimen in Deutschland kann auch die folgende Stellungnahme zum Tod von Kurt Westergaard als exemplarisch angesehen werden:

 

„Realität Islam“ zum Tod von Kurt Westergaard auf Facebook:

„Alhamdulillah! Allah (t) hat die Menschheit soeben von einem großen Übeltäter befreit. Möge Allah (t) Kurt Westergaard das geben, was er verdient. Allahumma Amin!

Jedoch, liebe Geschwister, bleibt die Wurzel des Problems immer noch bestehen. Denn solange die westliche Politik und dessen Medienschaffende weiterhin das gesellschaftliche Klima durch ihren Islamhass vergiften, bleibt Kurt Westergaard kein Einzelfall. Es werden immer wieder bedeutungslose „Künstler“ aus ihren Löchern kriechen, die meinen, den Gesandten Allahs (s), den besten Menschen, der je existierte, beleidigen zu müssen!

Möge Allah (t) die Pläne der Islamhasser zu Nichte machen!“

https://www.facebook.com/realitaetislam

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1 Nach vorliegenden Schätzungen ist die HuT weltweit mit circa einer Million Mitgliedern und Anhängern präsent.
2 https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/radikale-islamisten-instagram-100.html