Die Illusion von der einzigen Weltmacht USA ist geplatzt

Helmut Scheben / 18.08.2021

Der Polit-Talk im Westen über Afghanistan vermeidet die entscheidende Frage: Wer war schuld an diesem Krieg?

„Die Szenen auf dem Flughafen von Kabul sind symbolisch. Sie symbolisieren das Zerplatzen einer Illusion:

der Illusion, die USA könnten die Welt militärisch nach Gutdünken gestalten.

Die Neokonservativen hatten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Doktrin verbreitet, die einzige verbleibende imperiale Supermacht könne und müsse auf der Welt zum Rechten schauen, ohne auf Völkerrecht, geltende Verträge oder interne Opposition Rücksicht nehmen zu müssen. Das hat sich als Boomerang erwiesen. Was in Kabul in diesen Tagen abläuft, ist die unerwartete Rückkehr des Boomerangs. Er schlägt hart auf. Es sind Bilder vom Ende einer imperialen Machtausübung.“ (…)

Die Illusion von der einzigen Weltmacht USA ist geplatzt

Kommentar GB:

Ob das die entscheidende Frage ist, das sei dahin gestellt. Jedenfalls bleiben die USA bis auf weiteres die einzige Weltmacht, allerdings relativiert durch die beiden eurasischen Rivalen China und Rußland sowie durch die islamische Welt. Letztere zu modernisieren hieße, sie zu entislamisieren. Und sie zu entislamisieren bedeutete, die islamische Sozialisiation dauerhaft wirksam zu unterbrechen, also den Koran konsequent nicht mehr an die nachwachsende Generation zu vermitteln. Das wäre politisch durchzusetzen. Die Aufarbeitung der einschlägigen Erfahrungen im ehemaligen Machtbereich der Sowjetunion wäre diesbezüglich vermutlich erhellend.