Afghanistan. Land der Drogen

15. September 2021

Dr. Gudrun Eussner

Afghanistan. Land der Drogen

„Wie die westlichen Länder haben Afghanistan wieder zum Land der Drogen werden lassen“
Comment les Occidentaux ont laissé l’Afghanistan revenir le pays de la drogue. Par Bernard Frahi, Le Figaro, 24 août 2921

Der Franzose Bernard Frahi ist ehemaliger Direktor, 1998 – 2002, des Regionalbüros für Afghanistan und Pakistan des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC). Er berichtet:

Bis zum Mai 2001 haben die Taliban die Opium-Produktion nahezu abgeschafft, sie sei unislamisch. Von  4 600 Tonnen, 1998, fällt die Produktion auf 185 Tonnen, die im Nordosten des Landes angebaut werden, bei der mit den Taliban verfeindeten Nordallianz des Ahmad Schah Massud. Die Opiumkultur ist bei den Paschtunen durch ihre Vorfahren überliefert.

Nach der Einnahme Kabuls durch die Taliban steigt die Produktion in den Jahren  1996 und bis 1999 an; sie wird nach Verhandlungen mit der UNODC ab 2000 reduziert. Am 27. Juli 2000 verpflichten sich die Taliban, im Frühjahr 2001 die Produktion vollständig einzustellen; sie verbinden damit die Erwartung, international anerkannt zu werden.

Satellitenaufnahmen sowie zwei von westlichen Ländern nach Afghanistan entsandte internationale Missionen, Februar 2001 und April-Mai 2001, bestätigen, daß die Taliban des Mollah Omar Wort halten und mit der Reduktion beginnen. Im August 2001 bewilligt US-Außenminister Colin Powell daraufhin zehn Millionen Dollar Hilfe an die afghanischen Bauern zur Umstellung der Produktion.

Mit dem, am 8. Oktober 2001, beginnenden Krieg versinkt das Projekt der Einstellung des Opium-Anbaus in Korruption der neuen Regierung und in Stammesfehden. Für die Taliban ergibt sich mit dem Herannahen des Krieges die Notwendigkeit der Geldbeschaffung zum Widerstand gegen die NATO. Es versteht sich, daß nichts von den Hilfsgeldern des Colin Powell für die Bauern bei diesen ankommt. Hinzu kommt, daß die Afghanen allem mißtrauen, was von den Kriegern der Ungläubigen empfohlen und getan wird, die ihr Land angreifen, es verwüsten und ihre Landsleute ermorden.

Bernard Frahi zählt drei Fehler auf, die seiner Meinung nach den Opium-Anbau haben ansteigen lassen, darunter den der vom Westen unterstützten Regierung des Hamid Karzai, der darüber Konflikte mit den paschtunischen Stammesfürsten vermeidet, dann der Briten, die zur Bekämpfung des Opium-Anbaus, im März 2002, für 60 Millionen Dollar die Ernte aufkaufen und den Chefs von Milizen in mehreren Provinzen Afghanistans hohe Geldsummen aushändigen, auf daß sie die Opium-Bauern entschädigen möchten, die im März/April 2002 ihre Ernten vernichten sollen.

Bernard Frahi unterstellt den Briten Unfähigkeit; sie sollen nicht gewußt haben, daß die Chefs der Milizen das Geld gern einstreichen, einigen befreundeten Bauern vielleicht davon abgeben, ohne daß diese ihre Ernte vernichten müssen, und daß diejenigen, die in gutem Glauben ihre Felder platt machen, nichts bekommen. Die Briten erkaufen mit der finanziellen Transaktion den Frieden mit den Milizen auf dem Schlachtfeld! So lange wie’s dauert, würde meine Omma dazu anmerken.

Die nächste Rüge des Bernard Frahi geht an die USA, die einen Krieg exklusiv gegen den Terrorismus führten. Das ist aber seit vielen Jahren bekannt; denn Die Quelle des Terrorismus liegt in Saudi-Arabien, Artikel vom 13. Oktober 2001, bei der US-Regierung, ihrer Wirtschaft und Rüstungsindustrie besten streng wahhabitischen Freunden und Unterstützern der Taliban. Mehr dazu im Artikel USA. Die bis heute verbotene Wahrheit, vom 11. September 2021, zum Gedenken an 9/11 und die Opfer.

Bis 2005 weigert das Pentagon sich, gegen Opium-Anbau und Opium-Handel der namentlich bekannten Afghanen vorzugehen.  Weizenfelder von 2002 werden 2003 wieder Opium-Felder.

Welches Interesse sollte das Pentagon daran haben? Das Ziel sind die Bodenschätze Zentralasiens!

Bernard Frahi kann nicht einen einzigen Fehler Frankreichs und seiner Regierung finden, im Gegenteil! Frankreichs und damit Bernard Frahis Wirken sind segensreich, er stellt sich selbst dar als einen Idealisten. Bernard Frahi meint, mit vom Ausland finanzierten alternativen Projekten die Opium-Produktion abschaffen zu können. Die Rolle des Drogenkrieges bei der Sicherung der Herrschaft der USA und des Westens, darunter auch Frankreichs, im Mittleren Osten, erwähnt er nicht. Dazu kann man im Artikel Drogen, Kriminalität, Terrorismus, vom 6. Januar 2001, nachlesen.

Meine Erfahrungen sind aus den 80er Jahren, im Thai-German Highland Development Project (TG-HDP), mit dem „Erbsen-, Bohnen-, Linsen-Anbau“ im Goldenen Dreieck. Ein junger GTZ-Mitarbeiter, eben einem Hubschrauber entstiegen, der die Gegend überflogen hat, ruft entsetzt: „Die Opium-Anbauflächen sind ja viel, viel größer, als uns berichtet wurde, das Opium ist überall!“

Dort gibt es kein Dorf, in dem nicht, angefangen beim Dorfältesten, die Opiumsucht herrscht, die verschuldeten Bauern, ihre Ernten, noch nicht eingefahren, schon verpfänden müssen, und wo sich des Nachts Khun Sa’s United Army, Kuomintang und Thai Drogenzare Schießereien liefern. 😂

Auch die jetzt an die Macht gekommenen Taliban werden den Opium-Anbau nicht abschaffen. An der Lage, wie sie, 1996 bis 1999 und dann wieder ab 2003, ist, wird sich nichts ändern, Die Nachfrage bestimmt das Angebot, und wenn schon die USA bei ihnen gebunkerte neun Milliarden Dollar Vermögen der Afghanen nicht aushändigen, werden sich die Taliban zu helfen wissen.

Power to the Poppy, Right on

Die westlichen Staaten, angefangen bei den USA, machen immer die gleichen Fehler.

Eingestellt von Gudrun Eussner um 13:28

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