Geopolitik: Australiens Nöte, Europas Sorgen

Gastkommentar

Frankreichs empörte Reaktion auf den Kauf von US-Atom-U-Booten verkennt den Ernst der strategischen Lage im Indopazifik

Die Anrainerstaaten des Indopazifiks sind damit konfrontiert, dass China massiv aufrüstet und völkerrechtliche Normen missachtet. Dass Australien seine Verteidigungskraft mit dem neuen Aukus-Pakt stärkt, ist daher verständlich. Europa laviert derweil weiter.

Heribert Dieter 29.09.2021

https://www.nzz.ch/meinung/australiens-noete-europas-sorgen-frankreichs-empoerte-reaktion-auf-den-kauf-von-us-atom-u-booten-verkennt-den-ernst-der-strategischen-lage-im-indopazifik-ld.1647359

Kommentar GB:

Chinas Interesse zu See zielt in erster Linie auf sichere Schifffahrtswege. Diese sind Chinas unverzichtbare, aber sehr verletzliche Handels- und Versorgungsverbindungen, und die eurasische Verkehrsinfrastruktur der Neuen Seidenstraße zu Land ist zunächst in quantitativer Hinsicht nur eine Ergänzung, wenn auch mit zunehmender Bedeutung.

Deshalb sollen die chinesischen Seewege durch den Aukus – Pakt potentiell bedroht werden können, um ggf. glaubhaften politischen Druck auf China ausüben zu können. Das ist die Seemachtstrategie der USA im Pazifik und im Indischen Ozean.

Das Interesse Europas liegt hierbei darin, daß die Handelswege zu Lande und zu Wasser zum beiderseitigen Nutzen offen bleiben. Ein politischer US-Konflikt mit China mit militärischem Drohpotential ist aus europäischer Sicht schädlich und unerwünscht. Er bahnt sich als Ausdruck der Weltmachtrivalität derzeit an, kann aber europäischen Interessen nur schaden.