Geopolitik: Strategische Kooperationen in der Golfregion

GASTBEITRAG VON PETER RAMSAUER am 23. September 2021

Nach dem Rückzug des Westens aus Afghanistan könnte von diesem Land wieder eine islamistisch-terroristische Bedrohung ausgehen. Auch droht es zum Schauplatz für einen kalten Krieg zwischen China, Russland und dem Westen zu werden. Das erfordert eine taktisch offenere Politik in der Region, die auf neue Partner setzt.

https://www.cicero.de/aussenpolitik/kooperationen-golfregion-europa-westen-usa-katar-afghanistan?utm_source=cicero_nl&utm_medium=cicero_nl&utm_campaign=newsletter

Kommentar GB:

Aus meiner Sicht ist nicht anzunehmen, daß China und Rußland das Risiko des Islam verkennen oder auch nur unterschätzen würden, weder in Sinkiang, noch im Iran, noch in Zentralasien und am Kaukasus. Ganz im Gegenteil!

Beide haben einschlägige Erfahrungen machen müssen, und sie dürften ihre Lektion gelernt haben. Aber aus der Existenz des strategischen Öl-Bündnisses zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und den USA, an dem letztere trotz 9/11 festgehalten haben, ergeben sich die taktischen Kooperationen des Irans – und womöglich Afghanistans – mit Rußland und/oder China fast wie von selbst. Das kann nicht überraschen; nur muß dabei der beidseitig taktische Charakter dieser jeweiligen Beziehungen bedacht werden. Würde sich das Bündnis der USA mit Saudi-Arabien auflösen, dann entstünde eine strategisch völlig neue Lage. Davon kann derzeit und auf jetzt absehbare Zeit aber keine Rede sein, schon gar nicht unter den neuen Bedingungen der offensiven indopazifischen Seemacht, die die nächste Periode stark beeinflussen wird. Es geht dabei um den Aufbau der militärischen Fähigkeit zur Seeblockade der chinesischen Seehandelswege, und um die politische Drohung mit  einer solchen Blockade, werde sie nun ausgesprochen oder auch nicht. Davon wäre jedoch nicht allein China betroffen, sondern alle seine Handelspartnerländer ebenso. Europa sollte sich daher gut überlegen, wie es sich außen- und sicherheitspolitisch auf diese neue Entwicklung einstellen will. Im Grunde geht es dabei um die nötige und wirksame europäische Grenzkontrolle im Süden und Osten, um die weitere Sicherung der Existenz Israels, um den Suezkanal als einem offenen Seeweg und um die gehandelten Erdölressourcen der nah- und mittelöstlichen Gesamtregion. Einfach dürfte das nicht werden.

 

 

 

Abonnieren Sie den Freitagsbrief!

Erhalten Sie eine wöchentliche Übersicht über die wichtigsten Meldungen meines Medienspiegels.

Sie erhalten keinen Spam! Erfahren Sie mehr in unserer Datenschutzerklärung.