Der große Reset muss warten

Claude Cueni, Gastautor / 14.01.2022

Dieser Tage hätte das Weltwirtschaftsforum stattfinden sollen. Wird jemand den Elite-Anlass vermissen? Oder nützen die Utopien von Davos nur den Teilnehmern um Klaus Schwab? Ein Blick aus der Schweiz.

(…) „Deshalb haben er und ein Autorenteam ein Buch geschrieben: „Covid-19: The Great Reset“ („Covid-19: Der Große Umbruch“), ein Plädoyer für eine „Neugestaltung der Welt“, wie sie in keiner Demokratie zu verwirklichen ist. Obwohl er im Vorwort sein Buch „einen bescheidenen Beitrag“ nennt, lässt er auf rund 330 Seiten keinen Zweifel daran, dass hier ein bedeutendes Manifest „zur Rettung der Welt“ vorliegt. Mit dem Buch will er „den richtigen Weg weisen“, und es versteht sich von selbst, dass nur Klaus Schwab den richtigen Weg kennt.

Er malt den Zustand der Welt in düsteren Farben, eine Dystopie jagt die andere, er warnt vor sozialen Unruhen, gar vor Revolutionen – und bevor wir vollends in Panik geraten, reicht uns der Erlöser die Hand und präsentiert sein „Komitee zur Rettung der Welt“, die absolute Herrschaft der Technokraten, Weltkonzerne und internationalen Organisationen, eine radikale Transformation von oben nach unten. Es ist ein Plädoyer für historisch gescheiterte Theorien, die dem Menschen nur staatliche Misswirtschaft, weniger Wohlstand, Pressezensur und eine tiefere Lebenserwartung beschert haben.

Er schreibt, die Pandemie müsse als „Gelegenheit genutzt werden, um institutionelle Veränderungen in die Wege zu leiten“ und einen Reset zu erzwingen. Auch Wolfgang Schäuble, von 2009 bis 2017 deutscher Finanzminister, sagte in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen: „Der Widerstand gegen Veränderungen wird in der Krise geringer. Wir können die Wirtschafts- und Finanzunion, die wir politisch bisher nicht zustande gebracht haben, jetzt hinbekommen.“ (…)

„Covid-19 ist real, doch immer mehr Regierungen, Parteien und Institutionen sehen darin eine einmalige Chance, die Angst der Bevölkerung auszunützen. „Angst hat die Götter erschaffen“, sagte der römische Philosoph Lucretius, aber Angst gebiert auch Despoten und falsche Propheten. Man beruhigt die Bevölkerung damit, dass die Maßnahmen – sowohl die sinnvollen als auch die weniger sinnvollen – lediglich vorübergehend sind. Vorübergehend bedeutet in der Politik stets: für immer.“ (…)

„Schwabs Utopie nützt nur den Technokraten, die sie entworfen haben.“ (…)

(Hervorhebung GB)

Claude Cueni ist Schriftsteller und lebt in Basel. Dieser Beitrag wurde zuerst in der Weltwoche veröffentlicht. Zuletzt erschienen im Verlag Nagel & Kimche die Romane „Genesis“ (2020) und „Hotel California“ (2021).

https://www.achgut.com/artikel/der_grosse_reset_muss_warten

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