Die Rückkehr der Inflation

Immer mehr Zentralbanken gehen gegen die wachsenden Risiken für den Geldwert vor.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt wird ihre zurückhaltende Politik wohl nicht durchhalten können.
Von Gerald Braunberger

Aktualisiert am 24.01.2022

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wie-sich-zentralbanken-fuer-die-moegliche-inflation-wappnen-17742339.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Kommentar GB:

Die Rückkehr positiver Zinsen ist geldpolitisch der Beginn eines Normalisierungsprozesses.

Das ist insoweit sehr erfreulich.

Weniger erfreulich sind die Risiken einer Preis-Lohn-Preis – Spirale, deren erste Phase in Gestalt von spürbaren Preiserhöhungen für die Verbraucher, Arbeiter, Angestellten und Beamten sich gerade voll entfaltet.

Es ist daher zu erwarten, daß diese Preissteigerungen in der zweiten Phase zumindest teilweise in Lohn- und Gehaltsforderungen und -erhöhungen übersetzt werden, die danach in der dritten Phase wiederum auf die jeweiligen Preise überwälzt werden, so daß ein sich selbst verstärkender Prozeß in Gang kommt. Da die Politik des leichten Geldes zugleich für reichlich Liquidität – vorwiegend allerdings innerhalb des Finanzsystems – gesorgt hat, um den Finanz- und Staatssektor in Europa zu stabilisieren, besteht auch von dieser Seite das Risiko einer sich beschleunigenden Inflationsrate.

Die Geldpolitik muß zwar mit Zinserhöhungen reagieren, aber diese müssen sehr fein dosiert werden, und zwar zeitlich betrachtet, der Höhe nach und nicht zuletzt in angemessener Beziehung zur Geldpolitik anderer Länder, weil sie aufschwungs- und wachstumshemmend wirken. Es muß sozusagen weich und mit großer Vorsicht gebremst werden, weil mit Glätte zu rechnen ist, d. h. es besteht immer die Gefahr, daß die Lenkbarkeit verloren gehen könnte. Das wäre ggf. ein krisenhafter Punkt, denn dann übernimmt ggf. der ungesteuerte gesamtwirtschaftliche Prozeß die Regie – und fährt in die Krise.

 

 

 

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