Die eurasische Strategie der Seemacht

26. Februar 2022

Günter Buchholz

Die USA haben ihre pazifische Seekontrollgrenze bis an die chinesischen Küstengewässer herangeschoben. Die Seeversorgungswege der Chinesen sind daher zwar latent aber konkret von einer militärischen Blockade zur See bedroht. Und an geeigneten Punkten (Hongkong, Sinkiang) wird der innere Widerstand im Lande sowie medial im Ausland befeuert.

Letzteres geschieht auch in Rußland, aber sowohl Moskau wie Peking wissen das und beugen – durchaus ruppig – unerwünschten Folgen vor.

Chinas Projekt der Neuen Seidenstraßen (Belt & Road) ist ein eurasisches Projekt, das China über Zentralasien und Rußland und den Nahen Osten logistisch und wirtschaftlich mit Westeuropa verbinden soll. Das wiederum liegt nicht im Interesse der Seemacht USA. Daß es den USA nun via einer ohne Not unnachgiebigen NATO-Politik gelungen ist, mittels des so induzierten Ukraine-Konflikts Europa zu spalten, das ist zugleich ein Schlag gegen die langfristig angelegten chinesischen Infrastrukturprojekte.

Die Seemacht USA tut aus ihrer Interessenlage als Weltmacht heraus alles dafür, die Entstehung eines großen eurasischen Entwicklungsbogens zu verhindern, weil damit ihre Weltmachtposition längerfristig fraglich werden würde. Der nunmehr militärische Ukraine-Konflikt ist dafür ein sehr wirksames Mittel, jedenfalls auf absehbare Zeit. Allerdings ist damit das sehr ernste Risiko einer Konfliktausweitung verbunden, die ggf. rasch globale Ausmaße annehmen könnte. Daher ist jetzt eine diesbezügliche Besonnenheit wichtiger als alles andere.

Die Moskauer Führung folgt ihren eigenen Sicherheitsinteressen im Hinblick auf die NATO und zu Lasten der Ukraine, aber sie vollzieht damit faktisch zugleich jene Spaltung Europas, die daher aus Sicht der US-Geopolitik als ein geradezu triumphaler US-Erfolg zu Lasten der EU, Rußlands und Chinas gelten muß.

Kommentar GB:

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