Ukraine-Konflikt – Spieltheorie erklärt: Gibt es Krieg? (Modell mit reinen Strategien)

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12.02.2022

und

Baerbock redet wie eine Amerikanerin (II)

 

und:

ein Artikel über Jürgen Chrobog von

Dr. Gudrun Eussner vom 8. Januar 2006

Ali Abdullah Saleh und Hugo Rafael Chávez Frías, zwei „Diktatoren des Monats“

Der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt Jürgen Chrobog und seine Familie, Frau Magda und drei erwachsene Söhne, werden zum Fest der Liebe im Jemen entführt. Allen Fernsehzuschauern ist die Geschichte noch bestens in Erinnerung, die Bemühungen der Bundesregierung: „Es braucht wie immer Zeit, Geduld und Nerven“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. „Aber ich bin mir sicher, dass wir noch vor Jahresende zu einem Abschluss kommen werden“, zitiert ihn der Spiegel. (1)

Vom Geld ist nicht die Rede: Es braucht wie immer Zeit, Geld, Geduld und Nerven hätte es heißen müssen. Das stellen die deutschen Steuerzahler in Gestalt des AA sofort bereit. Der deutsche Außenminister telefoniert mit seinem jemenitischen Amtskollegen, der Krisenstab im AA arbeitet auf Hochtouren; denn einmal Staatssekretär – immer im Dienst und entsprechend betreut. Auf der Web Site des AA wird Jürgen Chrobog noch als amtierender Staatssekretär geführt, Regierungsumbildung will Weile haben, oder ist er gar nicht pensioniert, sondern arbeitet jetzt undercover weiter für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland? (2)

Bestens in Erinnerung ist die Versicherung des Jürgen Chrobog, er sei auf Einladung der jemenitischen Regierung ins Land gereist, und er wäre sich keiner großen Gefahr bewußt gewesen. Rührend auch die Tagebucheintragungen des 23-jährigen Sohnes Felix Chrobog: „Scheiß auf die emotionale Bindung, die ich zu den Leuten gefühlt habe – sie haben ihr Wort gebrochen, und Worthalten ist eine der wichtigsten Tugenden in der arabischen Welt.“ (3)

Selten so gelacht! Schon einmal von „Taqiyya“ gehört oder von „Hudna“? Schon die Geschichte des palästinensischen Terrorismus studiert? Was hat „Mutter Magda, Tochter eines berühmten ägyptischen Schriftstellers (Youssef Gohar) und promovierte Islamwissenschaftlerin“ ihren Söhnen nur beigebracht? (4)

Was hat das mit Hugo Chávez zu tun?

Beim Recherchieren für einen Artikel über Hugo Chávez trifft frau auf eine zweisprachige Web Site, eine wahre Fundgrube: „Dictator of the Month/Diktator des Monats“. Die Herausgeber warnen, daß ihre Site nicht dazu diene, Diktatoren zu glorifizieren oder für oder gegen ihre Politik einzutreten. Die Diktatoren, vom geringsten bis zum schlimmsten, sollten durch faire unvoreingenommene Fakten porträtiert werden: „Bitte berücksichtigen Sie, daß die Einbeziehung in diese Seite nicht notwendigerweise heißt, daß der genannte Führer übel oder schlecht ist – wir überlassen Ihnen diese Entscheidung!“

Die Bemerkung ist insofern bedeutsam, als aus ihr hervorgeht, daß es sich bei den Betreibern der Site nicht um die von Linken und anderen Globalisierungsgegnern geschmähten Neo-Liberalen und Neo-cons handeln kann; denn diese würden sich gegen jede Diktatur aussprechen (was nicht notwendig heißen muß, daß Neo-Liberale und Neo-cons nicht mit Diktatoren zusammenarbeiten und Geschäfte machen). Die Betreiber der Site sind Leute, die anscheinend der Ansicht sind, daß eine Diktatur durchaus gut und angemessen sein kann. Neugierig geworden, in welcher Gesellschaft sich Hugo Chávez befindet, trifft frau auf der Startseite auf ein üppiges Angebot, vom Albaner Enver Hoxha, August 2001, bis zum Jemeniten Ali Abdullah Saleh, Januar 2006. Bereits jetzt gibt es einen „Sneak Peek“, einen verstohlenen Blick auf den Monat Februar 2006: Meles Zenawi, Ethiopia, „still living“. (5)

Der ehemalige Staatsekretär Jürgen Chrobog, selbst oftmals als Krisenmanager im AA tätig, beispielsweise im April 2003 als Leiter des Krisenstabes zur Befreiung von 14 entführten Sahara-Touristen, begibt sich also mit seiner Familie auf eine „den Sicherheitsregeln entsprechend abgesicherte Privatreise“ in den Jemen, „dieses faszinierende Land“, in die Provinz Schabwa. Seinen Äußerungen entsprechend ist die Reise semi-offiziell, auf Einladung der jemenitischen Regierung. Das könnte auch als Vorteilsnahme gedeutet werden, so daß die deutschen Medien lieber bei der „Privatreise“ bleiben. Hat die Familie nicht genug unter der Entführung gelitten? Soll sie nun noch der Korruption geziehen werden, diese Familie, die nach ihrer Freilassung erklärt, sie sei nie bedroht, sondern mit Hochachtung behandelt worden?

Der deutsche Außenminister bedankt sich ausdrücklich beim jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh, der einem chaotischen Land vorsteht, in dem sich Stämme bekriegen, der Stamm bin Dahha, der die Familie Chrobog „offenbar“ entführt, um fünf Familienmitglieder freizupressen, die von der Zentralregierung des Präsidenten angeblich deshalb inhaftiert sind, weil sie zwei Mitglieder des rivalisierenden Clans al-Maraqscha „getötet“ haben, wie der Spiegel die Morde verniedlichend umschreibt. (1)

Der STERN setzt noch eins drauf und erklärt, terroristische Motive lägen der Entführung wohl nicht zu Grunde. Was, bitte, ist Terror, wenn nicht die Entführung von Menschen? (6)

Deutsche Journalisten übernehmen alles ungeprüft, einschließlich der Sprachregelungen. Wer verbreitet den Grund, warum die Fünf inhaftiert sind, Jürgen Chrobog? Die Entführer? Der Präsident und „Diktator des Monats Januar 2006“ persönlich?

Im Lande des Diktators Ali Abdullah Saleh

Der Chef der Regierung, auf deren Einladung der ehemalige Staatssekretär der Bundesrepublik Deutschland das Land besucht, beteiligt sich bereits mit 20 Jahren an einem Militärputsch gegen den König seines Landes. Der König wird abgesetzt. 1974 nimmt er an einem weiteren Putsch zur Einsetzung von Ibrahim al-Hamidi teil. Der wird 1977 von saudi-arabischen Agenten ermordet, weil seine Politik zur Vereinigung und Versöhnung des Landes dem saudischen Königshause nicht gefällt. Er sei der beliebteste jemenitische Politiker gewesen. Ali Abdullah Saleh ist sehr karrierefördernd immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Er hilft, im April 1978, einen Putsch gegen Ahmed Hussein al-Ghasmi niederzuschlagen, der überlebt das nur bis Juni 1978, da er ermordet und Ali Abdullah Saleh sein Nachfolger wird. Bis heute ist er Präsident des Jemen und wird zum „Diktator des Monats Januar 2006“ gekürt.  (7)

Die Tatsachen

Name: Ali Abdullah Saleh
Land: Jemen
Geburtstag: 21 März 1942
Gestorben: lebt noch
Daten seiner Regierung: 1978- aktuell
Wie er an die Macht gekommen ist: gewählt
Gattung: militärischer Diktator
Kernwaffen: nein
Größte Leistungen:

„Größte Leistungen“ fallen den Herausgebern der Site anders als bei Hugo Chávez nicht ein. Er regiert als unumschränkter Herrscher, schlägt im Oktober 1978 einen gegen ihn gerichteten Putsch nieder und verspricht, die Macht im Lande mit der National Democratic Front (NDF) zu teilen, was nie geschieht. 1983 und 1988 wird er in zweifelhaften Wahlen zum Präsidenten von Nordjemen gewählt und wiedergewählt, 1990 werden Nord- und Südjemen vereinigt,  und er wird 1993 als Präsident der Republik Jemen bestätigt. Die Opposition gegen ihn schlägt die jemenitische Armee im Sommer 1994 nieder, und der Präsident wird im Oktober 1994 erneut durch Wahlen im Amt bestätigt. Im Dezember 1997 befördert ihn seine Armee zum Marschall. 1999 wird er mit 96 Prozent der Stimmen gewählt. Oppositionsgruppen wie Sozialisten ist die Teilnahme an den Wahlen verwehrt.

Seine Regierung führt dazu, daß die Hälfte aller Kinder nicht zur Schule gehen können. Einen solchen macht die Chosun Universität von Kwangju, Südkorea, am 10. Oktober 2002, zum Ehrendoktor der Philosophie.

Der Jemen gehört zu den sechs Ländern mit den schlimmsten Hungersnöten außerhalb Afrikas. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos, an die Hälfte dieses laut Jürgen Chrobog „faszinierenden Landes“ lebt in absoluter Armut. Da ist gut Silvester Feiern. Prost!

Zur Politik des Diktators weiß die Site „Diktator des Monats“:

„Dem Präsidenten Saleh wird Nepotismus vorgeworfen, und Freunde von ihm, sowie Familienmitglieder besetzen wichtige Posten in der Regierung. Seine Führungsart wird als autokratisch bezeichnet, doch viele nennen ihn als Tyrant, vor allem in Südjemen, doch in Nordjemen ist er sehr popular. Er unterdrückt seine Opposition scharf und ist völlig in Kontrollen von den Medien im Lande.“

Ein wunderbares, faszinierendes Land, in dem sein Präsident Kriminalität duldet und fördert, beispielsweise den Drogenschmuggel nach Saudi-Arabien und den Waffenhandel nach Osteuropa. Obgleich der Jemen das ärmste arabische Land der Welt ist, verdreifacht sein Präsident die Ausgaben für Verteidigung von 1998 bis 2003. Waffen werden aus dem Jemen an die al-Qaida und an andere Terroristen sowie trotz UN-Embargos an Somalia verkauft. Al-Qaida soll mit Duldung durch Ali Abdullah Saleh auch umfangreiche Unterstützung in der jemenitischen Regierung haben. Die jüngste Frau des Osama bin Laden stammt aus dem Jemen. Ihre Familie besitzt dort unter anderem Inseln, auf einer von ihnen haben die USA ihr Horchsystem SIGINT installiert. Die Rolle der USA auf der arabischen Halbinsel wird von Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquié in ihrem Buch „La Vérité interdite“ (Die verbotene Wahrheit) geschildert. Sie interviewen dazu den FBI-Beamten John O’Neill. Präsident Jacques Chirac hat als Antwort auf die Attentate des 11. September 2001 keinerlei Mitleid, sondern er überreicht George W. Bush anläßlich seines bereits vor dem 11. September 2001 verabredeten Staatsbesuchs in Washington, am 18. September 2001, „La Vérité interdite“, frau könnte auch sagen, er haut’s ihm um die Ohren. (8)

Im Sommer 2005 legt der Staatssekretär im Finanzministerium des Jemen Abduljabar Saad der weitverbreiteten Korruption im Finanzministerium wegen sein Amt nieder. In seinem Kündigungsschreiben erwähnt er Schmuggel von subventioniertem Diesel nach Afrika. Weitere Delikte sind Geldfälschungen von jemenitischer und saudischer Währung durch die jemenitische Zentralbank sowie Geldwäscheskandale durch Immobilienhandel in Dubai, „ultimately funneling the money into German bank accounts“, was in der deutschen Ausgabe heißt: „Es wird auch behauptet, Zentralbankoffiziere verwenden die Zentralbank, um Geld ins Ausland in Privatkonten zu deponieren.“ (9)

Der Diktator Hugo Rafael Chávez Frías

Der „Diktator des Monats: Januar 2006“ Ali Abdullah Saleh („lebt noch“) steht in einer Reihe mit dem ebenfalls noch lebenden Militärdiktator Hugo Rafael Chávez Frías, dessen „größte Leistungen“ sind, ein „linksradikaler Pro-Castro Diktator in Venezuela zu sein, bekannt für seine populistische Politik, aber auch für seine Unterdrückung der Freiheiten im Lande und seinen ausgesprochenen Haß gegen die USA“. (10)

Antisemitismus und Haß gegen die Juden und Israel müssen zur Charakterisierung des Diktators hinzugefügt werden. (11)

Die Tatsachen

Name: Hugo Chávez
Land: Venezuela
Geburtstag: 28 Juli 1954
Gestorben: lebt noch
Daten seiner Regierung: 02 Februar 1999
Wie er an die Macht gekommen ist: gewählt
Gattung: Militärdiktator
Kernwaffen: nein
Größte Leistungen: Kommunistdiktator aus Venezuela, bekannt für seine anti-USA und pro-Castro Haltung und seine Populismus.

Wie es der zweite von sechs Brüdern aus einer armen Familie geschafft hat, an die Spitze des Landes zu gelangen, mag aus seiner Biogaphie zu erklären sein: Hart im Nehmen, härter im Austeilen, Projektion des erlittenen Unrechts auf andere, die Reichen, denen er die Schläge vergilt.

„Er brachte eine harte Kindheit zu, und seine Mutter verprügelte ihn so regelmäßig und heftig, daß seine Großmutter Rosines ihn in einen Schrank verstecken mußte, um ihn zu verschonen …“

Nach seiner Grund- und Realschulausbildung geht er als „sehr korrekter und gehorsamer Student, doch mit Neigungen zum Lügen und mit einer extremen Furcht vor Schwimmen“ auf die Militärakademie Venezuelas. „Being a born showman“, liebt er Singen, Gedichte, öffentliche Gespräche. Er absolviert die Militärakademie und „bezog verschiedene Positionen doch vermied in der Regel gefährliche Aufgaben“. Ihm fehlt offensichtlich der persönliche Mut des Einzelkämpfers. Stark und sicher fühlt er sich in der Gruppe.

Hugo Chávez, Putschist und Diktator

Eine „gefährliche Aufgabe“ übernimmt er gemeinsam mit Gleichgesinnten, am 4. Februar 1992, als er einen Militärputsch gegen den der Korruption beschuldigten Präsidenten Venezuelas Carlos Andres Perez anführt. Der Putsch scheitert und er erhält zwei Jahre Haft. Nach seiner Entlassung gründet er die „Bewegung für die Fünfte Republik“. Mit populistischen Reden gegen die Korruption und für den Ausbau des Wohlfahrtsstaates für die Armen gewinnt er am 6. Dezember 1998 die Präsidentschaftswahlen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lebt zu der Zeit in Armut. Er führt einige soziale Reformen ein, und die Großunternehmer müssen nunmehr Steuern bezahlen.

Seine Herrschaft als Diktator beginnt unmittelbar nach Amtsantritt. Die Bundesverfassung wird neu geschrieben, ein Verfassungskomitee eingerichtet, in der Chávez-Unterstützer 121 von 130 Sitzen innehaben, und im August 1999 wird ein „juristischer Ausnahmezustand“ erklärt, der Hugo Chávez das Recht gibt, Richter abzusetzen. Danach wird ein „Gesetzgebungsnotstand“ ausgerufen, und ein siebenköpfiges Komitee ist für die Gesetzgebung zuständig. Das Parlament wird gehindert, zu Sitzungen zusammenzukommen.

Eine Volksabstimmung über die Verlängerung der Amtszeit auf sechs Jahre und die einmalige Wiederwahlmöglichkeit des Präsidenten wird im Dezember 1999 für Hugo Chávez siegreich durchgeführt. Er regiert ab November 2000 für ein Jahr per Verordnungen und gewinnt im Dezember 2000 die Wiederwahl. Er legt ein Programm zur Enteignung mit Entschädigung von Großgrundbesitzern zugunsten landloser Bauern auf, wogegen jene gemeinsam mit der Handelskammer Venezuelas im Dezember 2001 einen Generalstreik zu organisieren versuchen.

Nach chaotischen Protesten, am 11. April 2002, bei denen eine halbe Million Menschen den sofortigen Rücktritt des Diktators fordern, tritt dieser am 12. April zurück und verläßt Caracas. Pedro Carmona wird an seine Stelle gesetzt, aber ihm gelingt die Machtübernahme nicht. Hugo Chávez wird zurückgeholt. 100 Tote sind bei den Aprilprotesten zu beklagen. Hugo Chávez klagt die USA an, die Proteste gegen ihn gelenkt zu haben, es gibt aber keine Anhaltspunkte dafür. Am 2. Dezember 2002 gibt es in der venezuelanischen Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) einen Generalstreik, den Hugo Chávez niederschlägt und dabei 18 000 Beschäftigte entläßt, viele von ihnen nur deshalb, weil der Präsident sie als nicht loyal einstuft. Die Erdölproduktion des fünftgrößten Erdölexporteurs der Welt liegt daraufhin bis Februar 2003 still. Der Marxist Rafael Ramírez Carreño wird von Hugo Chávez im Februar 2002 zum Energieminister und Präsidenten  der PDVSA ernannt. Von Management versteht er nicht viel. Der Diktator gewinnt durch die Ernennung mehr Kontrolle über die PDVSA und festigt seine Macht.

Im Februar 2003 erreicht eine Unterschriftensammlung von 3 Millionen privater Bürger, die ein Referendum zum Rücktritt des Diktators fordern, ihr Ziel nicht. Die Unterschriftensammlung wird für ungültig erklärt. Im Mai 2004 scheitert ein Militärputsch zur Absetzung des Diktators. Im August 2004 wird eine zweite Unterschriftensammlung gestartet, diesmal mit 3,5 Millionen Unterschriften, das Referendum wird durchgeführt und fast 60 Prozent der Bürger stimmen für den Verbleib des Hugo Chávez im Amt. Später werden Wahlmanipulationen festgestellt. Die Folge des politischen Chaos ist, daß bis Mai 2005 die Erdölproduktion noch nicht wieder im vollen Gange ist.

Kontrolle über Legislative, Exekutive und Justiz sowie über die Medien

Die Medien des Landes sind mehrheitlich offen gegen Hugo Chávez, aber Chávez-treue Banden schüchtern Journalisten ein und bedrohen sie. Hugo Chávez schafft vage Gesetze, mit denen er jederzeit den politischen Inhalt der Medien bestimmen kann. Seit März 2005 gibt es ein Gesetz, daß Kontrollen der Regierung gegenüber „respektlosen“ und „beleidigenden“ Artikeln ermöglicht. Solches wird mit Haftstrafen zwischen 20 und 40 Monaten sowie Geldstrafen von Zehntausenden von US-Dollar belegt.

Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen äußern große Besorgnis über die von Hugo Chávez  den Medien auferlegten Beschränkungen.

Auf Grund eines Gesetzes vom Mai 2003 besetzt der Diktator zur besseren Kontrolle des Obersten Gerichtshofes diesen mit durchweg ihm loyalen Richtern. Gleichzeitig werden einige Richter „politisch heikler Rechtssprechungen“ abgesetzt. Hugo Chávez kontrolliert somit Legislative, Exekutive und Justiz.

Hugo Chávez und seine Freunde

Hugo Chávez weilt als erster Staatsmann seit dem Golfkrieg von 1991, am 10. August 2000, über Land vom Iran kommend, zu einem Staatsbesuch bei Saddam Hussein und wird mit großem Beifall im Irak empfangen. Er fordert die umgehende Aufhebung der Sanktionen gegen das Land und freut sich, daß Frankreich, Rußland und China das ebenso sehen. Er lädt den Diktator zum OPEC-Treffen in Caracas ein. Hugo Chávez kann sich den Affront gegen die USA leisten, da diese Hauptimporteur des venezolanischen Erdöls sind: „Warum sind die Amerikaner beleidigt? Wir üben nur unser Recht aus“, sagt er. Selbstverständlich ist er gegen den Irakkrieg. (12)

Ein weiterer guter Freund des Hugo Chávez ist der libysche Diktator Moammar al-Gadhafi, der mit dem nach ihm benannten Menschenrechtspreis (sic!) im Oktober 2004 Hugo Chávez ehrt, um ihn dafür auszuzeichnen, daß er dem „Imperialismus“ Widerstand leiste und für die Armen eintrete. Eine Rezitation wird live vom libyschen Fernsehen und im Radio gesendet, in denen „das gute Herz, der intelligente Geist und die feste Hand“ des venezolanischen Diktators gelobt werden. Dieser „nennt seine linke Regierung eine Revolution, die versucht, den Armen zu helfen, in dem sie diese mit einem kostenlosen Gesundheitssystem und mit Erziehungsprogrammen versorgt.“ Hugo Chávez, der persönlich nicht an der Feier teilnimmt, fühlt sich in Ehre gebadet und hofft, bald Tripoli besuchen zu können.Träger des seit 1989 vergebenen Preises sind unter anderem Fidel Castro und Nelson Mandela. (13)

Während seine Beziehungen zu den USA auf dem Tiefpunkt sind und er den US-Präsidenten öffentlich angreift und ihn beschuldigt, es auf sein Leben abgesehen zu haben, kauft er von Rußland Kriegsflugzeuge und bedroht seinen Nachbarn Kolumbien territorialer Dispute wegen. Kolumbianischen Terroristen bietet er Unterschlupf in Venezuela. Hugo Chávez ist dafür bekannt, daß er mehrere linksradikale Terrorgruppen in Südamerika unterstützt.

Eine enge Freundschaft verbindet den Diktator mit Fidel Castro, mit dem am 18. Dezember 2005 in Bolivien gewählten linken Präsidenten Evo Morales und dem linksnationalistischen Präsidentschaftskandidaten, April 2006, des Partido Nacionalista Peruano und ex-Militär Ollanta Humala, auch dieser wie Hugo Chávez gestählt durch Putschversuche, im Oktober 2000, gegen den peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori.

Evo Morales ist Sprecher der Coca-produzierenden bolivianischen Bauern, Führer des Movimiento al Socialismo, Bewegung zum Sozialismus (MAS) und Gegner des Liberalismus. Er beginnt eine Antrittsreise als designierter Präsident Boliviens durch vier Kontinente bei aller Freund Fidel Castro und Hugo Chávez. Spanien, Belgien, die Niederlande, Frankreich, China, Indien und der Iran sollen weitere Stationen sein, wobei er auf Kritik der USA seiner Reise in den Iran wegen meint, er könne reisen, wohin er wolle, er wünsche Kontakte zu allen Ländern. Der Besuch im Iran reduziert sich dann aber doch auf ein Telefonat des iranischen Präsidenten, vom 4. Januar, in dem Evo Morales seinen iranischen Kollegen nach Bolivien zu seiner Einsetzungszeremonie als Präsident, am 22. Januar 2006, einlädt. Er wünscht den iranischen Präsidenten so bald wie möglich zu treffen, um mit ihm die Meinung über verschiedene Fragen auszutauschen, über soziale und über die Fragen der „Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch die imperialistischen Staaten auf dem amerikanischen Kontinent“. Mahmud Ahmadinejad aber hat seines Terminkalenders wegen leider keine Zeit, die Einladung anzunehmen, er wolle aber einen hohen Beamten seiner Regierung schicken. (14)

Das ist wirklich schade! Einen Auftritt des Antisemiten und Israelfeindes Mahmud Ahmadinejad in La Paz wäre sicherlich zu aller Freude verlaufen und hätte manchen Zweifel über die politischen Ansichten des Evo Morales ausgeräumt. Beim Aufenthalt in Paris, am 7. Januar, erinnert Jacques Chirac während einer dreiviertel Stunde währenden Audienz seinen Gast Evo Morales, den Vertreter der indianischen Sache, daran, daß es „wichtig ist, über die juristische Sicherheit für die ausländischen Investoren zu wachen“. Er wünscht nicht, daß die französischen Interessen durch die neue Linksregierung negativ beeinflußt werden. Am 8. und 9. Januar weilt der designierte Präsident Boliviens in China, das er ersucht, die Gasförderung in Bolivien zu entwickeln. Man darf gespannt sein, wie China darauf reagiert. Evo Morales beabsichtigt, die Gasreserven zu nationalisieren, zumindest aber mit den privaten Betreibern neue Verträge auszuhandeln. Das betrifft die französische Total sowie weitere 25 multinationale Erdöl- und Erdgasfirmen.

Zur Einschätzung des designierten Präsidenten Evo Morales gibt ein Link im „Online-Tagebuch der Achse des Guten“ weitere Einzelheiten. Dort ist ein Artikel von Alvaro Vargas Llosa verlinkt, der die begründete Ansicht vertritt, daß Evo Morales kein zweiter Hugo Chávez werden kann. (15)

Was den Präsidentschaftskandidaten Ollanta Humala betrifft, der reist seit Mitte letzten Jahres fünf oder sechs Mal nach Venezuela, Geld für den Wahlkampf will er aber nicht erhalten haben. Jetzt empfängt Hugo Chávez ihn auf einer Veranstaltung zu Ehren des Evo Morales im Palast Miraflores und begibt sich damit in diplomatische Verwicklungen mit der peruanischen Regierung des Alejandro Toledo. (16)

Ollanta Humalas Chancen, im April 2006 zum Präsidenten Perus gewählt zu werden, stehen gut, und die Welt darf gespannt sein, was „la nueva troïka andina“, die drei nationalistisch-sozialistischen Präsidenten Lateinamerikas, an alt-neuen wenig wirksamen Mitteln zur Verbesserung der Lage ihrer Bevölkerung aushecken. Die Reformen des Hugo Chávez, werden von allen Linken der westlichen Staaten begeistert gepriesen. Man kann allerdings davon ausgehen, daß immer dann, wenn die antisemitische, anti-israelische Karte gezogen wird, die bislang angebotenen Lösungsversuche der Probleme des Landes gescheitert sind. In der Lage ist Hugo Chávez derzeit. (17)

So diversifizieren die Linken um die ATTAC France vorsorglich ihre Veranstaltungsorte. Auf Caracas und Hugo Chávez allein ist kein Verlaß. Auf der offiziellen Web Site des Weltsozialforums ist bis heute, zwei Wochen vorm Beginn, keine französische Version der Informationen zu sehen: „Esta sección se encuentra en construcción“, diese Abteilung befindet sich im Aufbau.

Vom 19. bis 23. Januar geht’s deshalb zunächst in Frankreichs „Hinterhof“, nach Bamako, Mali, zu einem Treffen von an die hundert Intellektuellen und Vertretern sozialer Bewegungen der Dritten Welt, zur Feier des 50. Jahrestages der Bandung Konferenz, zum „Internationalen Tag zur Wiederherstellung des Internationalismus der Völker“. Ignacio Ramonet hat zu den Einzelheiten beider Ereignisse im „Diplo“ vom Januar 2006 nicht viel beizutragen, kein Programm, aber viel Resignation. (18)

Auf anderen Web Sites wird zu einem alternativen Weltsozialforum aufgerufen. (19) Die Foren trügen nicht zur revolutionären Entwicklung bei, sondern der Comandante mache diesen Aufwand, um ein Forum für seine anstehende Wiederwahl zu schaffen sowie die sozialen Kämpfe unabhängiger Gruppen im Land zu verhindern. Rafael Uzcátegui, der nationale Koordinator der venezolanischen Organisation Patria Para Todos (PPT), Vaterland für alle, beklagt sich ausführlich darüber auf Indymedia Argentina. (20)

24. bis 29. Januar 2006 findet das Sechste Weltsozialforum und das Zweite Sozialforum der Amerikas in Caracas statt. (21) Die ATTAC und ihre Freunde aus aller Welt werden dort zum Schulterschluß mit dem Antisemiten Hugo Chávez antreten und anschließend lobpreisend in ihre Länder zurückkehren. Es sei denn, es passieren aufregende Dinge oder Reden – oder beides.

Soweit zum Thema der zwei Diktatoren und ihrer Freunde und Geschäftspartner in Regierungen, sozialen Bewegungen und Medien.

8. Januar 2006 – Erweiterung im Bereich der Anmerkung 15, am 10. Januar 2005

Quellen

(1) Steinmeier rechnet mit Chrobog-Freilassung bis Sonntag. Der Spiegel, 29. Dezember 2005

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,392692,00.html

(2) Jürgen Chrobog, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes

http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/aamt/leitung/chrobog_html

(3) Fall Chrobog: „Sie haben ihr Wort gebrochen“. netzeitung, 4. Januar 2006

http://www.netzeitung.de/deutschland/375866.html

(4) Vorderlader, Kalaschnikow, Nokia. Wie die Chrobogs familiär über die Geiselnahme streiten, bei der viel hätte schief gehen können. Von Werner A. Perger,, Die Zeit Nr. 2/2006

http://www.zeit.de/2006/02/Chrobog?page=all

(5) Dictator of the Month

http://www.dictatorofthemonth.com/English/English_welcome.htm

(6) Chrobog auf dem Weg nach Deutschland, Reuters/DPA/AP, STERN, 31. Dezember 2005

http://www.stern.de/politik/ausland/:Freilassung-Chrobog-Weg-Deutschland/552307.html

(7) Ibrahim al-Hamidi (1943 – 1977). The Free Dictionary

http://encyclopedia.thefreedictionary.com/Ibrahim%20al-Hamdi

(8) Osama bin Laden – Die verbotene Wahrheit. Das Schicksal des FBI-Beamten John O´Neill (Artikel vom 21. November 2001)

http://www.eussner.net/artikel_2004-07-14_20-10-37.html

Entretien M. Jacques Chirac, président de la République avec M. George W. Bush, président des Etats-Unis (Washington, Maison blanche). 18 septembre 2001. Les relations France-Amérique du nord. Les Amériques Actualités

http://www.diplomatie.gouv.fr/photos/diplo/usa/usa25.html#photo

(9) Diktator des Monats: Januar 2006. Ali Abdullah Saleh

http://www.dictatorofthemonth.com/Saleh/Jan2006SalehDE.htm

Dictator of the Month: January 2006. Ali Abdullah Saleh

http://www.dictatorofthemonth.com/Saleh/Jan2006SalehEN.htm

(10) Diktator des Monats: Juni 2005. Hugo Chávez. Dictator of the Month

http://www.dictatorofthemonth.com/Chavez/Jun2005ChavezDE.htm

Dictator of the Month: June 2005. Hugo Chávez

http://www.dictatorofthemonth.com/Chavez/Jun2005ChavezEN.htm

(11) Hugo Rafael Chávez Frías, Presidente Constitucional de la Republica Bolivariana de Venezuela. Visita al Centro de Desarrollo Endógeno Integral Humano „Manantial de los Sueños“ Municipio Acevedo – Estado Miranda, Sábado, 24 de diciembre de 2005 (Das Zitat ist auf der Seite 18)

http://www.gobiernoenlinea.gob.ve/docMgr/sharedfiles/Chavez_visita_Centro_Manantial_de_los_suenos24122005.pdf

„Die Nachkommen der Christusmörder kontrollieren die Welt“, meint Hugo Chávez. 4. Januar 2006

http://www.eussner.net/artikel_2006-01-04_22-03-00.html

(12) Venezuelan President Meets Iraq’s Saddam, Attacking US, People’s Daily, August 11, 2000

http://english.people.com.cn/english/200008/11/eng20000811_47970.html

(13) Gadhafi human rights award winner announced, India Daily, Oct. 11, 2004

http://www.indiadaily.com/breaking_news/10517.asp

(14) Ahmadineyad dice a Evo Morales que “Irán está junto a la nación boliviana”. Teheran, Irán. IRNA, 4 de enero de 2006

http://www.irna.ir/es/news/view/line-87/0601052395124317.htm

(15) Evo Morales invite Pékin à développer l’exploitation du gaz en Bolivie, par Joe McDonald, Nouvel Observateur, 8 janvier 2006

http://permanent.nouvelobs.com/etranger/20060108.FAP8080.html?1603

Kein Linksrutsch in Lateinamerika. Michael Miersch, Online-Tagebuch der Achse des Guten, 10. Januar 2006

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1636&ref=0

No Left Turn. Alvaro Vargas Llosa, The Independent Institute, 27 December 2005

http://www.independent.org/newsroom/article.asp?id=1646

(16) Los vínculos entre Chávez y Humala que indignan al gobierno peruano. Por Alejandro Tapia, La Tercera, fecha edición, 08-01-2006

http://www.tercera.cl/medio/articulo/0,0,3255_5702_181532399,00.html

Chávez defiende su apoyo al político peruano Ollanta Humala. Prensa.com, Panamá, sábado 7 de enero de 2006

http://www.prensa.com/hoy/mundo/459547.html

(17) Acusa Centro Wiesenthal a Hugo Chávez de ser antisemita. Agencias en Caracas. La Chrónica de Hoy, 2006-01-07

http://www.cronica.com.mx/nota.php?idc=219517

(18) Caracas. Par Ignacio Ramonet. Le Monde diplomatique, janvier 2006

http://www.monde-diplomatique.fr/2006/01/RAMONET/13074

Forum Social Mondial Polycentrique: un autre monde est possible, Mali 2006

http://www.fsmmali.org/

Thème, Activités et Programme du FSMP, mis à jour le 7 janvier 2006

http://www.fsmmali.org/rubrique8.html?lang=fr

(19) Convocation au Forum Social Alternatif en Janvier 2006 à Caracas

http://paris.indymedia.org/article.php3?id_article=47008&id_mot=13

(20) FSM Caracas: mortaja para los movimientos sociales venezolanos. Rafael Uzcátegui. Por Foro Social Alternativo – Wednesday, Dec. 21, 2005 at 5:14 PM

http://argentina.indymedia.org/news/2005/12/360311.php

(21) Foro Social Mundial: Otro mondo es possible

http://www.forosocialmundial.org.ve/

World Social Forum: Another world is possible

http://www.forosocialmundial.org.ve/Ingles/

 

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