Die Rückkehr der Geopolitik

28. Februar 2022

Die russische Invasion der Ukraine hat viele der in Deutschland vorherrschenden politischen Illusionen zerschlagen. Über einen realistischeren Blick auf die Lage verfügte der Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski (1928-2017), der das aktuelle Geschehen in seinem 1997 erschienenen Werk Die einzige Weltmacht vorausgesagt hatte. Das Werk stellt zugleich eine Einführung in die Themen Geopolitik und Geostrategie dar. Die Ukraine betrachtete der Autor hier wegen ihrer herausgehobenen geostrategischen Bedeutung als künftigen Schauplatz eines möglichen Konflikts zwischen den Großmächten um die Kontrolle des eurasischen Kontinents.1

Die Rückkehr der Geopolitik

Kommentar GB:

Eurasien muß gespalten werden, um die Seemacht USA als Weltmacht zu erhalten. Und Eurasien ist wieder gespalten worden, nämlich durch die NATO-Ostpolitik nach 1989. Die NATO hatte immer den Freiheitsgrad, diese Expansion in Richtung auf die russischen Grenzen zu vermeiden. Alle damit verbundenen Risiken waren selbstverständlich bekannt. Aber sie wurden – aller jahrelang wiederholter Warnungen aus Moskau zum Trotz – billigend in Kauf genommen. Und das heißt: der Ukraine-Konflikt, der sich aus dem innenpolitischen Umsturz („Maidan“) entwickelte, er war und ist erwünscht. Wem erwünscht? Nun, der NATO, also den USA, also dem Pentagon.

Für Moskau war die so in Sichtweite gekommene zu erwartende Stationierung von NATO-Raketenstellungen unmittelbar entlang der russischen Grenzen die sicherheitspolitische rote Linie, und das wurde auch klar kommuniziert. Aber das blieb wirkungslos. Und damit haben wir hier das Motiv für die jetzt militärische russische Ukraine-Politik vor uns. Eine neutrale Ukraine – militärpolitisch außerhalb der NATO und allgemeinpolitisch mehr oder minder, aber jedenfalls verläßlich neutral – so wie Finnland z.B. – hätte dieses Motiv nicht geboten.

Mit einem Schlag – ausgeführt von Putin – haben die USA und hat das Pentagon alle seine bisher uneingelösten militärischen und wirtschaftlichen Ziele – z.B. rüstungs- und energiepolitischer Art – im EU-Europa durchgesetzt. Und das löst in den USA verständlicherweise große Zufriedenheit aus. Die Kasse klingelt. Rußland wird im Ergebnis geschwächt sein, EU-Europa ebenso. Und Eurasien bleibt gespalten, außerdem wird China blockiert. Ist das nicht wunderbar?

Die einen haben – jeweils im weitesten Sinn – den Nutzen, die anderen haben die Kosten.

Wir haben Grund zur Dankbarkeit. Oder? – Hierzu ergänzend, und sehr lesenswert :

28.02.2022

Diplomatie, Diplomatie, ein Königreich für Diplomatie!
Von Andrea Seaman

Die russische Invasion in der Ukraine ist zu verurteilen, der Westen hätte im Vorfeld aber klüger handeln sollen. Die Dämonisierung Russlands und hinkende historische Vergleiche führen nicht weiter.

https://www.novo-argumente.com/artikel/diplomatie_diplomatie_ein_koenigreich_fuer_diplomatie

Kommentar GB:

Wenn die Europäer Schaden von sich hätten abwenden wollen, dann hätten sie rechtzeitig wirksam handeln müssen, um die NATO-Osterweiterungspolitik zu verhindern! Diese NATO-Politik im US-Interesse hätte so nicht mitgetragen werden dürfen! Das war aus europäischer Sicht der alles entscheidende Fehler kontinentaleuropäischer Politik. Und jetzt sind dessen Folgen da.

Siehe ferner:

Europäische Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung

 

 

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